Martina (Benutzer)
Fresh Boarder
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Führerschein fürs Grundeinkommen vor 1 Jahr, 2 Monaten
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In diesem Thema wird dieser Beitrag diskutiert: Führerschein fürs Grundeinkommen
So vernünftig dieser Vorschlag im ersten Moment klingen mag, will ich einwenden, dass es für das Wahlrecht auch keine Bedingungen gibt - außer das Alter. Soll das heißen, wer das "gesellschaftiche Pflichtjahr" nicht absolviert hat, darf dann auch nicht wählen?
Wenn das Bedingungslose Grundeinkommen ein Bürgerrecht sein soll, darf es an keine Bedingungen geknüpft sein - wie beim Wählen. Und die Frage, ob das Bürgerrecht dann wieder entzogen werden können soll, entbehrt jeder Vernunft: Wer "falsch" wählt, verliert damit auch nicht das Recht, in Zukunft wählen zu dürfen.
Außerdem ist es schlichtweg unmöglich, die Reife eines Menschen durch eine "Prüfung" zu bestimmen oder sie durch eine "gesellschaftliches Pflichtjahr" herbeizuführen. Der Prozess erfolgt in jedem selbst und dafür ist nicht die Gesellschaft verantwortlich, sondern der Einzelne.
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Aw: Führerschein fürs Grundeinkommen vor 1 Jahr, 2 Monaten
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Hallo Martina,
ein Bürgerrecht kann man verlieren - z.B. auch das aktive oder passive Wahlrecht. Zumindest sieht es §45 StGB vor. Außerdem gab's den Radikalenerlass, der in Zeiten der RAF zur Frage führte, ob Terroristen ein politisches Amt ausführen dürfen sollen.
Du sprichst aber mit der Reife eine wesentliche Frage an, die sich beim Grundeinkommen stellt: Ab wann ist ein Mensch Mensch, bzw. ein Bürger Bürger? Daß der Reifeprozess ausschließlich in jedem Einzelnen vor sich geht, wage ich zu bezweifeln. Ein Apfel reift nicht nur durch den Baum, sondern auch durch die Umweltbedingungen. Entsprechend sehe ich die Gesellschaft sehr wohl in der Pflicht, sich am Reifeprozess zu beteiligen.
Tatsächlich scheinen die bedingungslosen Grundeinkommensbefürworter vor allem von verantwortungsbewußten Erwachsenen auszugehen und vergessen dabei, daß wir erst von Kindern zu Erwachsenen werden. Aber wann ist ein Mensch nicht mehr Kind, sondern selbständig? Sollte nicht die Gesellschaft ihre Mitglieder zur Selbständigkeit erziehen?
Legen wir den Maßstab des Netzwerk Grundeinkommens für die Bedingungslosigkeit an:
* die Existenz sichern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen,
* einen individuellen Rechtsanspruch darstellen,
* ohne Bedürftigkeitsprüfung ausgezahlt werden,
* keinen Zwang zur Arbeit bedeuten.
Welche Punkte gehen von einem Erwachsenen aus, welche von einem Kind? Das hier vorgestellte Konzept sieht ein "garantiertes Minimum" vor, das einem Kind zum Leben ausreicht. Vielleicht ermöglicht dies keine gesellschaftliche Teilhabe und bedeutet Arbeitszwang. Um sich daraus zu "befreien" hat aber jeder den Rechtsanspruch, ein "gesellschaftliches Pflichtjahr" zu absolvieren, um danach ein höheres Grundeinkommen zu erhalten, das dann dieser Definition der Bedingungslosigkeit voll entspricht.
Die Netzwerk-Definition läßt sehr wohl eine "Gegenleistung" zu. Wer aber glaubt, das Grundeinkommen würde einem nachgetragen, sieht sich wirklich im Schlaraffenland. Zeigte nicht die Aktion vom 1. April, daß die Leute bereit sind, ein Grundeinkommen zu beantragen? Einen Führerschein kann man auch beantragen - aber vor dem Fahrrecht muß man gewisse Regeln lernen, um es ausüben zu dürfen. Und so dumm finde ich es nicht, wenn sich Leute vor dem Recht zu wählen erst einmal darüber informieren müssen, was sie da denn eigentlich tun. Oder ist es gerecht, daß ein uninformierter Bürger das gleiche Stimmrecht hat, wie jemand, der sich informiert?
Viele Grüße aus Kiew,
Jörg (Drescher)
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HMayer (Benutzer)
Fresh Boarder
Beiträge: 3
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Aw: Führerschein fürs Grundeinkommen vor 1 Jahr, 2 Monaten
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Was Sie verlangen, ist ein "Führerschein", um sich selbst zu führen! Wir "führen" uns doch schon selbst. Bei einem Auto geht es um die Kontrolle über etwas, das man nicht ohne weiteres beherrscht. Aber wir sind unser Körper und aus dem kommen wir nicht raus.
Warum unterstellen Sie, dass der Mensch heute nicht mit seiner Freiheit umgehen kann? Wir sind längst frei und leben verantwortungsbewußt. Alle Interessenskonflikte, die es immer geben wird, müssen im öffentlichen und politischen Streit ausgetragen werden. Und der dafür notwendige Bildungsprozess vollzieht sich über Jahre hinweg - in Familien, Bildungseinrichtungen und im Gemeinwesen.
Wir brauchen keinen Führerschein! Wir brauchen ein Bedingungsloses Grundeinkommen, um uns Ihren Führerschein leisten zu können!
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Letzte Änderung: 08.06.2009 19:34 von HMayer.
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Aw: Führerschein fürs Grundeinkommen vor 1 Jahr, 2 Monaten
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Hallo Herr Mayer,
kein Mensch kann sagen, wohin uns ein Bedingungsloses Grundeinkommen führen wird. Vor allem dann nicht, wenn wir es einfach so, bedingungslos eben, ausbezahlen. Man mag nun sagen, daß es gerade der Reiz an der Idee ist. Dem stimme ich gerne zu. Allerdings würde ich der Bewegung doch gerne einen gewissen Impuls an Menschlichkeit mit auf den Weg geben.
Wenn Sie einen Führerschein fürs Auto machen, schreibt ihnen auch niemand vor, wohin Sie fahren dürfen. Gleichfalls ist es Ihnen danach überlassen, mit welchem Tempo Sie fahren und welches Auto Sie benutzen. Sie müssen Ihr erworbenes Recht nicht einmal nutzen.
Ähnlich verhält es sich mit der Idee eines "Führerscheins fürs Grundeinkommen". Ihnen werden die Grundlagen der Gesellschaftsordnung vermittelt; Sie lernen technisches Basiswissen über Ihr Gefährt (das Grundeinkommen); Sie erhalten Informationen, wie Sie sich verhalten müssen, um umweltschonend zu fahren... Und wenn Sie keine Lust darauf haben, diesen "Schein" zu machen, können Sie trotzdem zu Fuß gehen (mit dem "garantierten Minimum" ).
Können wir es uns leisten, jedem - ohne Bedingungen - ein Grundeinkommen auszuzahlen? Und sind die hier vorgestellten Bedingungen wirklich so absurd? Würden Sie sich heute zutrauen, ohne je hinter einem Lenkrad gesessen zu haben und ohne jegliche Anleitung, am Straßenverkehr einer Großstatt teilzunehmen?
Viele Grüße aus Kiew,
Jörg (Drescher)
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Letzte Änderung: 08.06.2009 22:09 von iovialis.
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klausR (Benutzer)
Fresh Boarder
Beiträge: 1
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Aw: Führerschein fürs Grundeinkommen vor 1 Jahr, 2 Monaten
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Lieber Jörg,
neben dem Recht auf Faulheit muss es auch ein Recht auf Dummheit geben. Wenn Du den Leuten schon nicht die Freiheit aufdrängen willst, darfst Du ihnen erst recht nicht Wissen aufzwängen. Vielmehr lockst Du sie mit einem höheren Grundeinkommen, aus ihrer - wenn auch selbstverschuldeten - Unmündigkeit.
Menschen sind dem Leben nichts schuldig! Wer dumm sein will, soll es eben bleiben. Ein Belohnungssystem, wie Du es vorschlägst, ändert nicht die Natur des Menschen. Der Mensch bleibt Mensch - egal, wie dumm, gebildet oder mündig. Du willst aber eine Zwei-Klassengesellschaft: Kinder und durch ein "gesellschaftliches Pflichtjahr" berechtigte "Erwachsene". Da hilft auch keine Freiwilligkeit zur Pflicht.
Herzlichst,
Klaus
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Aw: Führerschein fürs Grundeinkommen vor 1 Jahr, 2 Monaten
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Hallo Klaus,
bei der Faulheit unterscheide ich dieses Phänomen in zwei Arten:
1.) Ein Mathematiker ist faul, weil er sich Gedanken macht, statt 1+1+1+1+1+1+1=7 7x1=7 zu schreiben. Er macht sich einmal mehr Mühe, um später "faul" sein zu können.
2.) Die gewöhnliche Faulheit, die das Untätigsein eines Menschen beschreibt, ohne etwas dafür je getan zu haben.
Bei der Dummheit ist es ähnlich. Zum einen stellt man fest, daß, je mehr man weiß, man um so dümmer wird. Das ist auch ein Prozess. Zum anderen weigert man sich, seine Dummheit zu erlernen, um sie akzeptieren zu können.
Sicherlich ist man dem Leben nichts schuldig, da man unfreiwillig geboren wurde. Keiner fragte, ob man sich das alles antuen will. Akzeptiert man es allerdings, auf dieser Welt zu sein, muß man etwas tun, um leben zu können - außer natürlich, man hat seine "Sklaven", die einem alles nachtragen.
Und zur Klassengesellschaft läßt sich sagen, daß wir immer eine solche haben. Säuglinge und Kinder wird es immer geben, die zwar Menschen sind, aber noch nicht allein zurecht kommen. Die Antwort auf die Frage, ob man erwachsen werden will, bleibt jedem selbst überlassen. Der monetäre Anreiz dafür mag liberal verwerflich sein, aber ist er es aus sozialer Sicht?
Aber vielleicht habe ich mich schon zu sehr in diese Idee verliebt, um Gegenargumente zu übersehen. Dann geht es mir allerdings wie manchen BGE-Befürwortern, die auf der Bedingungslosigkeit beharren und den Blick für Alternativen verschließen.
Nichts für ungut! Viele Grüße,
Jörg
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Letzte Änderung: 09.06.2009 15:08 von iovialis.
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