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Würdige und unwürdige Arme
Geschrieben von Jörg Drescher    Bookmark and Share
Montag, 20. 06 2011

Michael Lewis, Lehrbeauftragter an der Silberman School of Social Work am Hunter College, beschreibt in seinem Artikel „Genetics, the deserving, and the underserving poor“ (Genetiker, würdige und unwürdige Arme) die vorherrschende Meinung von Amerikanern, dass es zwei Arten von Sozialhilfeempfängern gibt – solche, die Sozialhilfe verdienen, und solche, die sie nicht verdienen. Um eine „würdige“ Person zu werden, muss man arbeiten, gearbeitet haben oder offensichtlich nicht arbeiten können. „Arbeit“ wird dabei meist als Lohnarbeit in der Wirtschaft verstanden. Für jene, die zwischen „Würdigen“ und „Unwürdigen“ unterscheiden, zählt nur Lohnarbeit.

Am Beispiel von TANF (Temporary Assistance for Needy Families – eine Art amerikanisches Hartz-IV) verdeutlicht er dies, da TANF-Empfänger (meist alleinstehende Mütter) verpflichtet sind, für die Hilfeleistung zu arbeiten. Der Stereotyp von „Sozialhilfe-Müttern“ ist, dass es ihre Entscheidung war, nicht zu arbeiten, weshalb sie es nicht verdienen, Sozialhilfe zu erhalten. Die Hilfe wird eher wegen der Kinder oder aus Mitleid gewährt, aber nicht, weil die Mütter ein Recht darauf hätten.

Lewis erklärt weiter, dass diese Position durch Genetiker und eine relativ neue „Verhaltensgenetik“ gestützt würde, die besagt, dass Gene mit anderen Genen und der Umgebung interagieren und schließlich das Verhalten beeinflussen. Im weiteren zeigt er an Beispielen, dass sich niemand seine Gene und nur bedingt seine Umgebung aussucht, weshalb sich folglich auch niemand für eine „natürliche Faulheit“ entscheidet, wie gerne bei der „Würdig-Unwürdig-Diskussion“ angeführt wird.

Gegen Ende meint Lewis, dass die Frage, „ob jemand eine Wohnung oder Essen aufgrund schlechter Entscheidungen benötigt und deshalb keine Hilfe verdient“ irrelevant sein sollte, weil die Unterscheidung schwierig ist, ob jemand diese Entscheidung allein getroffen hat oder andere für ihn.

Abschließend vertritt Lewis die Meinung, dass ein Grundeinkommen die Möglichkeit bietet, die veraltete Praxis zu verlassen, Arme in „würdige“ und „unwürdige“ einzuteilen. Wenn es möglich wäre, ein ausreichendes Grundeinkommen zu erhalten, könnte mit Armut besser umgegangen werden, wobei Menschen immer noch einen klaren Arbeitsanreiz hätten.




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