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Michael Lewis, Lehrbeauftragter an der Silberman School of
Social Work am Hunter College, beschreibt in seinem Artikel „Genetics, the
deserving, and the underserving poor“ (Genetiker, würdige und unwürdige Arme)
die vorherrschende Meinung von Amerikanern, dass es zwei Arten von
Sozialhilfeempfängern gibt – solche, die Sozialhilfe verdienen, und solche, die
sie nicht verdienen. Um eine „würdige“ Person zu werden, muss man arbeiten,
gearbeitet haben oder offensichtlich nicht arbeiten können. „Arbeit“ wird dabei
meist als Lohnarbeit in der Wirtschaft verstanden. Für jene, die zwischen
„Würdigen“ und „Unwürdigen“ unterscheiden, zählt nur Lohnarbeit.
Am Beispiel von TANF (Temporary Assistance for Needy
Families – eine Art amerikanisches Hartz-IV) verdeutlicht er dies, da
TANF-Empfänger (meist alleinstehende Mütter) verpflichtet sind, für die
Hilfeleistung zu arbeiten. Der Stereotyp von „Sozialhilfe-Müttern“ ist, dass es
ihre Entscheidung war, nicht zu arbeiten, weshalb sie es nicht verdienen,
Sozialhilfe zu erhalten. Die Hilfe wird eher wegen der Kinder oder aus Mitleid
gewährt, aber nicht, weil die Mütter ein Recht darauf hätten.
Lewis erklärt weiter, dass diese Position durch Genetiker
und eine relativ neue „Verhaltensgenetik“ gestützt würde, die besagt, dass Gene
mit anderen Genen und der Umgebung interagieren und schließlich das Verhalten
beeinflussen. Im weiteren zeigt er an Beispielen, dass sich niemand seine Gene und
nur bedingt seine Umgebung aussucht, weshalb sich folglich auch niemand für
eine „natürliche Faulheit“ entscheidet, wie gerne bei der „Würdig-Unwürdig-Diskussion“
angeführt wird.
Gegen Ende meint Lewis, dass die Frage, „ob jemand eine
Wohnung oder Essen aufgrund schlechter Entscheidungen benötigt und deshalb
keine Hilfe verdient“ irrelevant sein sollte, weil die Unterscheidung schwierig
ist, ob jemand diese Entscheidung allein getroffen hat oder andere für ihn.
Abschließend vertritt Lewis die Meinung, dass ein
Grundeinkommen die Möglichkeit bietet, die veraltete Praxis zu verlassen, Arme
in „würdige“ und „unwürdige“ einzuteilen. Wenn es möglich wäre, ein
ausreichendes Grundeinkommen zu erhalten, könnte mit Armut besser umgegangen
werden, wobei Menschen immer noch einen klaren Arbeitsanreiz hätten.
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