Glauben Sie, dass ein Grundeinkommen wirklich realistisch ist und was muss für eine Einführung passieren?
Ich denke, es wird mehr und mehr anerkannt, dass es nicht nur bezahlbar ist – es ist ohne Zweifel bezahlbar. Aber wenn wir ehrlich die steigende Ungleichheit reduzieren wollen, was zu einem massiven globalen Problem wurde, muss man dringend über einen Weg zum Grundeinkommen nachdenken, das beides ist – bedingungslos und universell. Denn ohne diese Kriterien, wird man die Ungleichheit nicht mindern können, weil die meisten bestehenden Sozialsicherungssysteme die Armen nicht erreichen und eigentlich nicht effizient arbeiten.
So ist die Frage hin zum Grundeinkommen eine notwendige Bedingung für das Funktionieren einer Marktwirtschaft. Und ich denke, es wird immer klarer, dass die Finanzkrise von 2008 und 2009 nicht nur eine Finanzmarktkrise war, sondern eine Transformationskrise im Sinne, dass es sehr viel wirtschaftliche Unsicherheit, Ungewissheit und wachsende Ungleichheit gibt. Wir werden nicht durch diese Krise kommen, wenn wir nicht die Probleme der Ungleichheit angehen. Und ich denke, man sieht, dass sich dies entwickelt, vor allem bei der andauernden Debatte, was heute um Griechenland passiert.
Nun, einige andere Länder werden Griechenland folgen, wo als Folge, die Finanzkrise in den Griff zu bekommen, die Staatsausgaben erhöht wurden. Aber jetzt meinen die Regierungen, dass sie enorme Budgetdefizite hätten. Und so werden sie versuchen, die Sozialausgaben zu kürzen. Aber wenn man die Sozialausgaben kürzt, trifft man die Armen und Niedriglohnempfänger – das Prekariat, wie ich sie nenne. Das ist allerdings nicht nachhaltig, da sich viele Leute genötigt sehen, zu politischem Extremismus zu neigen, wenn wir nicht aufpassen.
Aus diesen Gründen denke ich, dass wir mehr und mehr frisch über das Angehen von wirtschaftlicher Unsicherheit und Ungleichheit nachdenken müssen. Und das heißt, dass die Leute offener über den Weg zu einem Grundeinkommen nachdenken werden.