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In ihrer heutigen Ausgabe schreibt die Berliner Morgenpost zu Bischof Marx:"
Erzbischof Reinhard Marx spricht über das Für und Wider eines bedingungslosen Grundeinkommens. Seit alle so unzufrieden sind mit dem Paragrafendschungel von Hartz IV, lebt die alte Diskussion über einen radikalen Neuanfang in der Verteilung von Arbeit und Arbeitsertrag wieder auf. Ganze Milieus gibt es, die sich im Internet über das "Bürgergeld" austauschen. Wenn sie von dem Erzbischof eine Ermutigung erwarteten, wurden sie enttäuscht. Ich gestehe, dass mich nur die Erwartung auf ein überraschendes Plädoyer für das "ganz andere" hergelockt hatte.
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Der Erzbischof, ein handfester Mann, ist wie wir alle, nämlich vorsichtig. "Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens wäre ein Großversuch mit sehr schwer abschätzbaren Wirkungen".
Der Religionsstifter war vor 2000 Jahren weniger zögerlich. "Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie ... Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht ... Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen."
Der Autor des Beitrags, Christoph Stölzl, wirft in diesem Kontext auch die so fast ironisch anmutende Frage auf:
Bei Marx' Worten aber gingen meine Gedanken weniger zur Bergpredigt Christi als zum preußischen Staatsphilosophen Hegel. Der hatte bekanntlich gemeint, durch seine Arbeit definiere sich der Mensch. Dass die Teilhabechancen in vielen Lebensbereichen faktisch an die Erwerbsarbeit geknüpft seien und es daher ein Gebot der Gerechtigkeit sei, die Teilnahmechancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern - wer stimmte dem Kirchenmann da nicht zu?
In diesem Zusammenhang sollten wir den Ausspruch von Vize-Kanzler Westerwelle bezüglich "spätrömischer Dekadenz" aus einem anderen Licht betrachten:
Westerwelle hat nämlich Recht. Es ist dekadent, Menschen in Niedriglohn-Arbeit zu zwingen. Es ist dekadent, Arbeiten von Menschen zwangsweise verrichten zu lassen, die Maschinen und Roboter besser und billiger machen können. Es ist nicht sozial, sondern dekadent, Erwerbs-Arbeit künstlich zu schaffen. Und es ist dekadent zu ignorieren, dass wir das "Post-Industrielle Zeitalter" erreicht haben.
Wer sich, wie z.B. Bischof Marx, Westerwelle, Merkel oder auch Gabriel, nicht von seiner spätrömischen Denke befreien kann, dem wird der Gedanke des emanzipatorischen Sozialstaates für immer verschlossen bleiben.
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