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Schokolade, Armut, Sicherheit und BGE
Geschrieben von Matthias Dilthey    Bookmark and Share
Montag, 21. 12 2009

In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung plaudert Schokoladen-Fabrikant Alfred Ritter über Weihnachtsmänner, Spekulanten, Armut, sozialen Frieden und über das BGE.

Die explodierenden Kakaopreise belasten den Kaufmann Ritter, den Menschen Ritter empören sie sogar. "Ein Teil der Weltbevölkerung hungert, und trotzdem wird immer mehr mit Lebensmitteln spekuliert, das kann ich nicht gutheißen." Dass hauptsächlich die Zocker und nur allzu selten die Bauern von den höheren Preisen profitierten, bezeichnet er als bedrückend.

Und wenn der Unternehmer über Ungerechtigkeiten spricht, fällt ihm noch mehr ein: Auch hier in Deutschland sei das Gleichgewicht zwischen Arm und Reich aus dem Lot geraten. "Es ist doch erschreckend, wie viele Kinder kein warmes Essen mehr bekommen." Die Vermögenden im Land müssten begreifen, dass die zunehmende Armut auf kurz oder lang auch negative Auswirkungen auf ihr eigenes Leben haben wird. "Ich setze mich gerne abends bei mir zu Hause in meinen von der Straße einsehbaren Wintergarten; ich möchte in Zukunft auch weiter dort sitzen, ohne irgendwann erschossen zu werden."

Ritter stellt Missstände fest. Die Patentrezepte dagegen fehlen ihm. Zwar sympathisiert er beispielsweise mit der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle, räumt aber ein, dass dies in Volkswirtschaften mit offenen Grenzen kaum funktionieren kann. "Aber irgendwie müssen wir schauen, dass sich Arbeit auch für die Geringqualifizierten wieder lohnt." Und wie? "Dazu ist mein volkswirtschaftliches Wissen zu gering", kokettiert der Mann, der vor seinem Psychologiestudium doch immerhin ein Vordiplom der Volkswirtschaft errungen hat.

[...] Fragt man ihn heute, was er von der neuen Bundesregierung hält, holt er tief Luft und sagt, dass er mit seiner Meinung diesbezüglich nicht in der Zeitung stehen möchte. Nur so viel: Die Diskussion über einen Ausstieg vom Ausstieg sei äußerst investitionsfeindlich.

[...] Die Öffentlichkeit dürfe die Abwanderung von Stellen [in das Ausland] nicht immer nur beklagen, sondern müsse auch deren Vorzüge erkennen, sagt Ritter. Für viele Menschen aus wirtschaftlich schwächeren Nationen, sei die Ansiedlung von Arbeitsplätzen die einzige Chance, ihren Lebensstandard zu erhöhen. "Die müssen dann nicht mehr ins reiche Europa flüchten. Da fängt Globalisierung doch an, friedensstiftend zu werden."

Ob Ritter den letzten hier zitierten Absatz auch in Verbindung zu seiner Aussage zum BGE verstanden haben möchte, lässt das Interview leider offen.




Kommentare (8)
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1. Geschrieben von: Guido Riga am 21-12-2009 09:16 - Registriert
 
 
Die Krise ist noch längst nicht überstanden auch wird munter weitergemacht wie bisher,dass sieht man bei den Banken ebenso wie bei der Weltklimakonferenz.Ritter hat recht es wird zunehmend in Rohstoffen spekuliert.Patentlösungen gibt es sicher nicht aber es sollte in der Tat mal die Systemfrage auf die Tagesordnung gestellt werden (dabei ist Stalinismus keine Lösung)und hier kann ein BGE nur ein Teil der Lösung sein.
 
2. Geschrieben von: Daniel Kuneck am 21-12-2009 21:32 - Registriert
 
 
Das mit der Sicherheit wäre auch mein Hauptargument gegenüber Wohlhabenden. Mit der Aussage, dass "in offenen Volkswirtschaften kein BGE möglich ist" liegt er allerdings falsch. Wenn man Werners Konsumsteuer einführen würde wäre das Wettbewerbsproblem gegenüber anderen Ländern lösbar.
 
3. Geschrieben von: Matthias Dilthey am 22-12-2009 01:23 - Registriert
 
 
Wenn ich Alfred Ritter richtig verstanden habe, dann bezog sich seine Aussage bezüglich der "offenen Grenzen" wohl auch auf die Migrations-Problematik, ausgelöst durch eventuelle BGE-Alleingänge einzelner Staaten.
 
4. Geschrieben von: Daniel Kuneck am 22-12-2009 16:53 - Registriert
 
 
@Matthias: Das wirft natürlich die Frage auf, wer das BGE in Deutschland bekommen soll. Meiner Meinung nach nur deutsche Staatsbürger. Natürlich wäre die weltweite Einführung des BGE wünschenswert. Jedoch würde auch eine "gleichzeitige" Einführung schon rein aus organisatorischen Gründen eine Verzögerung zw. 5-10 Jahre bedeuten (vom ersten bis zum letzten Land). 
Deutschland ist als eines der wenigen Länder in der Lage ein BGE in entsprechender Höhe sofort umzusetzen. Auch darf hier der Vorbildcharakter nicht unterschätzt werden; auch würden dann viele andere Länder in Zugzwang geraten. Wollen wir das nicht?!
 
5. Geschrieben von: Guido Riga am 22-12-2009 17:34 - Registriert
 
 
Ja Daniel,es wäre schön wenn unser Land eine Vorreiterrolle mit Vorbildcharakter übernehmen würde und das in mehreren Bereichen.Aber warum nur deutsche Staatsbürger,was ist mit den Leuten die schon ewig im Land sind und keine deutsche Staatsangehörigkeit haben oder auch nicht wollen ? 
Oder ausländische Mitbürger die Arbeitslos werden,bekommen die dann so eine Art Sozialhilfe oder müssen gar das Land verlassen ?
 
6. Geschrieben von: Daniel Kuneck am 22-12-2009 21:54 - Registriert
 
 
@Guido: Gestern provozierte mich ein Bekannter mit der Aussage: "Wenn jeder der nach Deutschland kommt ein BGE erhalten würde wo sollten diese 500 Millonen Menschen denn wohnen?" 
Die Anzahl der "Bezugsberechtigten" ist sicherlich eine signifikante Größe und beeinflusst die ordnungs-politischen Entscheidungen bezüglich Anspruchsvoraussetzungen, BGE-Höhe, Sonderregelungen usw. 
Welche finanzierbare Regelung wäre deiner Meinung nach sinnvoll ?
 
7. Geschrieben von: Guido Riga am 23-12-2009 15:00 - Registriert
 
 
Daniel ich bin kein Finanzexperte,mein Beruf ist die Altenpflege und dort arbeite ich vorwiegend mit psychisch kranken Menschen.Und natürlich arbeite ich dort mit sehr vielen ausländischen Mitarbeitern (viele ohne deutsche Staatsangehörigkeit) gerne zusammen.Soll ich diesen Mitarbeitern etwa sagen,dass BGE ist eine super Sache aber leider nichts für euch. 
 
Deutschland (BRD) war die ganze Zeit ein Einwanderungsland und wird es auch in Zukunft mit oder ohne BGE weiterhin ein Einwanderungsland bleiben. 
 
Was ist mit dem Asylrecht willst du dieses etwa abschaffen ?
 
8. Geschrieben von: Daniel Kuneck am 23-12-2009 19:44 - Registriert
 
 
Ich wollte nur klar machen, dass wenn es keine "Berechtigungskriterien" gibt die Kosten nicht bezahlbar sind. 
Zur Bevölkerung werden alle Menschen gezählt die ihren Hauptwohnsitz in Deutschland haben (von daher mach dir mal um deine Arbeitskollegen keine Sorgen); derzeit also rund 82 Millionen. Bei einem BGE von 1000 € macht das 82 Milliarden € pro Monat. 
Ohne Kriterien würde es eine Völkerwanderung nach Deutschland geben; da sind 500 Millionen Gäste vermutlich noch untertrieben. 
Das wären nochmal 500 Milliarden € pro Monat. Wir erwirtschaften aber nur ca. 200 Milliarden € pro Monat (Staats- und Sozialausgaben gehen davon noch weg)! 
Also muss man sich Wohl oder Übel mit diesem Thema auseinander setzen. Wenn man wie du Nächstenliebe praktiziert (ist für mich übrigens die wertschätzenste Form von Arbeit) kommt man in ein moralisches Dilemma, wem geb' ich es, wem geb' ich es nicht. 
Das BGE soll nicht die Menschen nach Deutschland holen sondern Anreiz, Ermutigung zu Aktivitäten in ihren jeweiligen Heimatländern geben.
 
 
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