|
In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung plaudert Schokoladen-Fabrikant Alfred Ritter über Weihnachtsmänner, Spekulanten, Armut, sozialen Frieden und über das BGE.
Die explodierenden Kakaopreise belasten den Kaufmann Ritter, den Menschen Ritter empören sie sogar. "Ein Teil der Weltbevölkerung hungert, und trotzdem wird immer mehr mit Lebensmitteln spekuliert, das kann ich nicht gutheißen." Dass hauptsächlich die Zocker und nur allzu selten die Bauern von den höheren Preisen profitierten, bezeichnet er als bedrückend.
Und wenn der Unternehmer über Ungerechtigkeiten spricht, fällt ihm noch mehr ein: Auch hier in Deutschland sei das Gleichgewicht zwischen Arm und Reich aus dem Lot geraten. "Es ist doch erschreckend, wie viele Kinder kein warmes Essen mehr bekommen." Die Vermögenden im Land müssten begreifen, dass die zunehmende Armut auf kurz oder lang auch negative Auswirkungen auf ihr eigenes Leben haben wird. "Ich setze mich gerne abends bei mir zu Hause in meinen von der Straße einsehbaren Wintergarten; ich möchte in Zukunft auch weiter dort sitzen, ohne irgendwann erschossen zu werden."
Ritter stellt Missstände fest. Die Patentrezepte dagegen fehlen ihm. Zwar sympathisiert er beispielsweise mit der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle, räumt aber ein, dass dies in Volkswirtschaften mit offenen Grenzen kaum funktionieren kann. "Aber irgendwie müssen wir schauen, dass sich Arbeit auch für die Geringqualifizierten wieder lohnt." Und wie? "Dazu ist mein volkswirtschaftliches Wissen zu gering", kokettiert der Mann, der vor seinem Psychologiestudium doch immerhin ein Vordiplom der Volkswirtschaft errungen hat.
[...] Fragt man ihn heute, was er von der neuen Bundesregierung hält, holt er tief Luft und sagt, dass er mit seiner Meinung diesbezüglich nicht in der Zeitung stehen möchte. Nur so viel: Die Diskussion über einen Ausstieg vom Ausstieg sei äußerst investitionsfeindlich.
[...] Die Öffentlichkeit dürfe die Abwanderung von Stellen [in das Ausland] nicht immer nur beklagen, sondern müsse auch deren Vorzüge erkennen, sagt Ritter. Für viele Menschen aus wirtschaftlich schwächeren Nationen, sei die Ansiedlung von Arbeitsplätzen die einzige Chance, ihren Lebensstandard zu erhöhen. "Die müssen dann nicht mehr ins reiche Europa flüchten. Da fängt Globalisierung doch an, friedensstiftend zu werden."
Ob Ritter den letzten hier zitierten Absatz auch in Verbindung zu seiner Aussage zum BGE verstanden haben möchte, lässt das Interview leider offen.
|