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BGE-Feldversuch in Deutschland geplant
Geschrieben von Matthias Dilthey    Bookmark and Share
Freitag, 18. 12 2009

Das Manager Magazin hat soeben gemeldet, dass die Stuttgarter Breuninger-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Interfakultativen Institut für Entrepreneurship in Karlsruhe einen auf zwei Jahre befristeten BGE-Versuch in Stuttgart und einer Ortschaft in Brandenburg plant.

In wie weit ein solcher Versuch belastbare Daten liefern kann, wird noch zu prüfen sein.
Die von MM veröffentlichten Informationen über den Versuch stimmen nachdenklich. Schon die Befristung auf zwei Jahre und der sehr eingeschränkte Personenkreis von je 100 beteiligten Menschen geben Anlass zu genauerer Untersuchung der Versuchsbedingungen bezüglich der Aussagekraft des 7 Mio. Euro teuren Versuchs.




Kommentare (8)
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1. Geschrieben von: Jörg Drescher am 18-12-2009 06:21 - Registriert
 
 
In den 1970er Jahren gab es in den USA mehrere Projekte, die sich damit befaßten, welche Auswirkungen ein Grundeinkommen habe. Bekannt sind diese Projekte unter dem Namen "Mincome" - allerdings basierten diese auf einer "Negativen Einkommenssteuer" und sind nur bedingt als "Bedingungsloses Grundeinkommen" zu verstehen. Die Ergebnisse wurden nur nach und nach veröffentlicht. Resonanz fanden sie nicht. 
Dieser Versuch mag zwar ambitioniert sein, allerdings frage ich mich, wie daraus Rückschlüsse auf eine Gesellschaft gezogen werden können. Das Projekt in Namibia bezieht sich auf ein ganzes Dorf (und damit auch auf das Beziehungsgeflecht). 
Ich frage mich: Was soll dieser geplante Versuch aufzeigen? Und wird er unter den gegebenen Rahmenbedingungen auch wirklichkeitsnahe Ergebnisse liefern?
 
2. Geschrieben von: Erik Völter am 18-12-2009 09:19 - Registriert
 
 
Sicher Jörg, ist das Projekt nicht repräsentativ für eine Gesellschaft, doch wenn man Helga Breuninger liest, allemal einen Versuch wert: 
"Vor meinem inneren Auge laufen kleine Filme ab: Ich sehe die Vielfalt der Tätigkeiten und Projektinitiativen, für die sich diese Menschen mit Grundeinkommen in Kitas, Schulen, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Betrieben und Verwaltungsstellen bewerben würden. Ich sehe Teambildung und Zusammenarbeit und Initiativen auf neuen Feldern. Ja, ich glaube daran, dass Menschen die Initiative ergreifen, wenn sie dafür frei sind und doch bin ich gespannt, was Menschen wirklich tun, wenn sie über ein Grundeinkommen verfügen. Ich fände es außerordentlich spannend zu erfahren, was diese Menschen machen, was sie in welchen Feldern bewirken, welche Lernerfahrungen sie für sich selbst und andere gestalten und welche Auswirkungen dies auf sie selbst und ihre Umwelt hat.  
Also sollten wir das angehen. Mit solch einem Projekt bringen wir die Botschaft in unsere Stadt, dass uns die Krise herausfordert, Neues zu erproben, das wir ohne Krise vielleicht nie getan hätten." 
komplett nachzulesen auf: 
http://www.breuninger-stiftung.org/inhalte/ueber-den-tag-hinaus/bedingungsloses-grundeinkommen.html 
 
Dieser Versuch könnte vielen Menschen den Wind aus den Segeln nehmen, deren Argumentation gegen das BGE ist, dass Geld faul und träge macht. 
Es könnte letztendlich ein verzerrtes Menschenbild nachhaltig korrigieren.
 
3. Geschrieben von: Guido Riga am 18-12-2009 10:26 - Registriert
 
 
Es kommt wie Matthias und Jörg sagen auf die Versuchs/Rahmenbedingungen an. Mich würde interessieren in welcher Höhe das Versuchs bGE ausbezahlt wird ? Vielleicht nur ein Hartz 4 ohne Arbeitszwang ? Lieber Erik,es kommt sicher auch auf die Arbeitsbedingungen an welche die Versuchs-bGE-Personen sich einlassen und ob sie genügend Zeit bekommen für sich das richtige auszusuchen ! 
Wenn ich daran teilnehmen könnte würde ich versuchen mir eine andere Arbeitsstelle zu suchen die mir wirklich Freude bereitet,denn ich arbeite ca. seit 25 Jahren in einem Pflegeheim und empfinde dieses in zunehmende Maße als unerträglich auch in bezug auf die Arbeitsbedingungen und dem stetig stärkerem Leistungsdruck den dort die Pflegekräfte ausgesetzt sind ! 
Aber in meinem Fall würde mir das Versuchs-bGE nicht nützen,da ich Unterhalt für 3 Kinder zahlen muß und darauf angewiesen bin stetig ein festes Gehalt in einer bestimmten Höhe zu erwirtschaften,da müßte mir die Unterhaltsleistung schon zusätzlich erstattet werden und ob 2 Jahre reichen weiß ich nicht,da wäre es schon besser solche Projekte auf 5 Jahre oder länger zu erhöhen.
 
4. Geschrieben von: Erik Völter am 18-12-2009 10:45 - Registriert
 
 
Lieber Guido, 
Die Höhe des BGE soll 800,00€ betragen, zzgl. Sozialleistungen, also netto! Das Projekt ist für 2 Jahre angedacht aber mehr auf der Seite, die ich als link eingestellt hatte.
 
5. Geschrieben von: Daniel Kuneck am 18-12-2009 13:57 - Registriert
 
 
Hier haben die Gegner des BGE eine schöne Tretmine gelegt.
 
6. Geschrieben von: Erik Völter am 18-12-2009 15:14 - Registriert
 
 
Hallo Daniel, eine verdammt teure Mine, meinst Du nicht? Wenn ich überlege, welche Bedenken und Diskussion die 30 oder 50k€ für die "Krönungswelle" entstanden sind, erscheint mir dieses Projekt als Tretmine, ausgelegt von BGE Gegnern, doch mehr als unwahrscheinlich.
 
7. Geschrieben von: Daniel Kuneck am 20-12-2009 00:49 - Registriert
 
 
@Erik: Sorry, da hatte ich wohl irgendwie 'nen Blackout. Das soll eigentlich heißen:  
"Hier wurde für die Gegner des BGE eine schöne Tretmine gelegt" und ist nicht als Verschwörungstheorie gemeint. 
Werner verkauft das Projekt als arbeitsmarktpolitische Maßnahme (da sind 7 Mill. € nur Penuts), so dürfen z.B. ausschließlich sogenannte "Bedürftige" als Versuchskaninchen herhalten. Diese müssen dann stellvertretend für unsere Gesellschaft beweisen, dass sie ein 800€-Grundgehalt zu "beruflich oder ehrenamtlich sinnvollen Tätigkeiten" animiert. 
Es sind in diesem Feldversuch entscheidende Voraussetzungen/ Rahmenbedingungen nicht gegeben, dass die Ergebnisse zwangsweise falsche Rückschlüsse auf die Wirkung eines echten BGE zulassen werden. Die "Gegner" des BGE (es sind symbolisch all jene gemeint, welche am Weltbild "Wer nicht arbeitete soll auch nicht essen" festhalten wollen) könnten jedoch aufgrund dieser "Beweise" das BGE für lange Zeit aus der öffentlichen Diskussion verschwinden lassen da das Experiment sich auf Werner als Erfinder des BGE beruft.
 
8. Geschrieben von: Jörg Drescher am 20-12-2009 11:03 - Registriert
 
 
@Daniel: Werner ist eigentlich nicht für dieses Projekt. So schreibt das aktuelle Archiv Grundeinkommen: 18.12.2009: manager magazin, 1/2010: Printausgabe Seite 22: Werners akademische Mitarbeiter in Karlsruhe wollen das Projekt wissenschaftlich auswerten, auch wenn der umtriebige Unternehmer jetzt schon Zweifel an der Aussagekraft eines zeitlich und räumlich begrenzten Versuchs äußert: "Das wäre ungefähr so, als würden wir von Rechts- auf Linksverkehr umstellen und erst einmal mit den Lastwagen anfangen, um zu sehen, ob es funktioniert." 
 
Meine persönliche Meinung: Mit ca. 7 Mio. Euro könnte man eine längerfristige Marketingstrategie und Aufklärungskampagne starten (und mit Aufklärung meine ich auch Neutralität), die sinnvoller wäre, als staatliche Aufgaben zu privatisieren.
 
 
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