BGE-Portal - Beschäftigungs- und Arbeitstherapie

Login


Benutzername

Passwort

Angemeldet bleiben
Passwort vergessen?

Noch kein Benutzerkonto?
Registrieren

Nachrichten arrow Nachrichten arrow Beschäftigungs- und Arbeitstherapie
Beschäftigungs- und Arbeitstherapie
Geschrieben von Jörg Drescher    Bookmark and Share
Mittwoch, 14. 10 2009

Stellen Sie sich vor, Sie kommen in die Psychiatrie, wo Ihnen eine Rundumversorgung gewährleistet wird. Sie müssen sich nicht um das Essen kümmern, Sie brauchen nichts sauber machen und Sie plagen für die Aufenthaltszeit keine Zukunftssorgen. Die einzigen Einschränkungen: Ihnen ist verwährt, die „Krankenstation“ alleine zu verlassen (nur in einer Gruppe mit anderen für eine Stunde) und Sie dürfen nicht den ganzen Tag im Bett liegen (Ihr Zimmer, das Sie mit zwei weiteren Patienten teilen, wird abgeschlossen).

Dann wird Ihnen eine Therapie angeboten: In der Beschäftigungstherapie prüfen Sie Puzzle auf ihre Vollständigkeit (die Puzzle sind gebraucht und wurden für Kinder gespendet) oder Sie setzen 5 Teile in der Arbeitstherapie zu einer Lampe zusammen. Entscheiden Sie sich für die Arbeitstherapie, erhalten Sie eine Vergütung in Höhe von 1 Euro pro Tag.

Sinn der Geschichte ist, dass Sie an die Grundanforderungen des Arbeitslebens herangeführt werden. Die Tätigkeit dient als therapeutischen Mittel. Durch Ihre Arbeitsleistung sollen Eigenschaften wie z. B. Selbstvertrauen, Übernahme von Verantwortung, Belastbarkeit und Konzentration, Anpassungs- und Ausdauerfähigkeiten, Gewöhnung an Zeitstrukturen, Teamarbeit und das Erfassen von Arbeitsvorschriften gefördert und gefestigt werden. Dies wird von einem Arbeitserzieher begleitet, der eine entsprechende Qualifikation hat.

Diese Praxis wird vor allem im Maßregelvollzug angewandt. Die psychisch erkrankten Straftäter gehen dort im Rahmen der Arbeitstherapie einer Tätigkeit nach. Mit dem therapeutischen Mittel Arbeit entwickeln, festigen und fördern Patienten ihre instrumentellen Fähigkeiten und Fertigkeiten und erlangen sozio-emotionale Kompetenzen. So findet ein „Nachreifen“ der Kompetenzen statt. In Kombination mit anderen therapeutischen Interventionen kann erreicht werden, dass Patienten nach der Entlassung ein straffreies Leben führen können.

Wenn Sie diese Vorgehensweise nur in der Psychiatrie vermuten, liegen Sie falsch. Die „neue Arbeit“, wie in der Dokumentation „Armutsindustrie“ zu sehen, bedient sich ähnlicher Elemente und lässt somit über 1 Mio. Einkommenslose aus der Arbeitslosenstatistik verschwinden. Aus dem Mangel an Arbeit entsteht dadurch ein lukratives Geschäft: Arbeitgeber bekommen Zuschüsse, um Menschen wieder an einen Arbeitsalltag heranzuführen. Dafür streichen sie auch gerne einmal richtige Stellen. Gefördert wird diese Entwicklung dadurch, dass den Arbeitssuchenden die finanzielle Stütze gekürzt bis gestrichen wird, wenn sie sich weigern, an solchen Maßnahmen teilzunehmen. Schließlich ist es das Ziel, Menschen wieder in Arbeit zu bringen.

 




Kommentare (2)
RSS Kommentare
1. Geschrieben von: Guido Riga am 15-10-2009 09:54 - Registriert
 
 
Die Psychiatrie verdeutlicht wie Krank unsere Gesellschaft ist (Spiegel),es verdeutlicht auch das Menschenbild in einer 
kapitalgesteuerten Leistungsgesellschaft.
 
2. Geschrieben von: Daniel Kuneck am 16-10-2009 23:38 - Registriert
 
 
"Wir sind in unserer gesellschaftlichen Entwicklung wieder zum Anfang des 19. Jhr. zurück gekehrt !", wird geklagt. 
Vermutlich ist der derzeitige "Zustand" der Gesellschaft aber "normal". 
Beim Wechsel in eine neue Gesellschaftsordnung versucht sich das etablierte "System" zu wehren indem es unter anderen die von ihm verursachten Fehlentwicklungen (die den Wechsel ja erst nötig machen) "outsorced". 
WELT-Finanzkrise, WELT-Terror,(WELT-)Globalisierung die zu einer WELT-Wirtschaftskrise mutieren ("alles Böse kommt von Außen!") muss uns jetzt "zusammen rücken" lassen und auch in den "eigenen Reihen" schärfere Regeln gegen "die Weigerung zum Mitmachen" erlassen (siehe Artikel). 
"Wer jetzt nicht seiner "Arbeitspflicht" nachkommt um den Aufgrund der explodierenden Kosten und Schulden gefährdeten Sozialstaat zu überfordern muss eben "auf der Strecke bleiben". "Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen!" ist das Todschlag-Argument. 
Die Rechte der Arbeiter zum Anfang des Industriezeitalters mussten leider teilweise "sehr teuer" auch mit Gewalt erkämpft werden. 
Im heutigen "Computer-Zeitalter" macht man das mit einem "Virus". 
Der "Virus" heißt BGE!  
Kompatibel zu jeder Gesellschafts-/Regierungsform (es stellt die herrschende Ordnung erstmal nicht in Frage) entfaltet es nach der "Infizierung" ungeahnte Kräfte (die sich jeder selbst "denken" kann) welche den Übergang zur Informations-Gesellschaft auf friedliche Art beschleunigen werden. 
Wir können die "neue Arbeit" schon jetzt praktizieren indem wir, entgegen den geltenden Parolen, uns nicht von den "Ineffizienten"  
(Hartz4-Empfänger, alte und/oder kranke Menschen) abwenden sondern ihnen weiterhin die Hand reichen damit die Gesellschaft nicht  
auseinander bricht und sich die einzelnen Gruppen gegenseitig bekämpfen. 
Falsch wäre es meiner Meinung nach auch, dass BEG in eine Ideologie einzubetten (das gefährdet die Kompatibilität). Es kann seine volle Wirkungskraft nur über die Einführung durch den Souverän ("der Wille der Bürger") des demokratischen Staates entfalten. Daher sollten wir unser Engagement auch für die Einführung der "Volksabstimmung" verstärken. Die Diskussion auf parteipolitischer Ebene ist wohl in diesem Fall sogar eher förderlich.
 
 
< zurück   weiter >