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Stellen Sie sich vor, Sie kommen in die Psychiatrie, wo Ihnen eine Rundumversorgung gewährleistet wird. Sie müssen sich nicht um das Essen kümmern, Sie brauchen nichts sauber machen und Sie plagen für die Aufenthaltszeit keine Zukunftssorgen. Die einzigen Einschränkungen: Ihnen ist verwährt, die „Krankenstation“ alleine zu verlassen (nur in einer Gruppe mit anderen für eine Stunde) und Sie dürfen nicht den ganzen Tag im Bett liegen (Ihr Zimmer, das Sie mit zwei weiteren Patienten teilen, wird abgeschlossen).
Dann wird Ihnen eine Therapie angeboten: In der Beschäftigungstherapie prüfen Sie Puzzle auf ihre Vollständigkeit (die Puzzle sind gebraucht und wurden für Kinder gespendet) oder Sie setzen 5 Teile in der Arbeitstherapie zu einer Lampe zusammen. Entscheiden Sie sich für die Arbeitstherapie, erhalten Sie eine Vergütung in Höhe von 1 Euro pro Tag.
Sinn der Geschichte ist, dass Sie an die Grundanforderungen des Arbeitslebens herangeführt werden. Die Tätigkeit dient als therapeutischen Mittel. Durch Ihre Arbeitsleistung sollen Eigenschaften wie z. B. Selbstvertrauen, Übernahme von Verantwortung, Belastbarkeit und Konzentration, Anpassungs- und Ausdauerfähigkeiten, Gewöhnung an Zeitstrukturen, Teamarbeit und das Erfassen von Arbeitsvorschriften gefördert und gefestigt werden. Dies wird von einem Arbeitserzieher begleitet, der eine entsprechende Qualifikation hat.
Diese Praxis wird vor allem im Maßregelvollzug angewandt. Die psychisch erkrankten Straftäter gehen dort im Rahmen der Arbeitstherapie einer Tätigkeit nach. Mit dem therapeutischen Mittel Arbeit entwickeln, festigen und fördern Patienten ihre instrumentellen Fähigkeiten und Fertigkeiten und erlangen sozio-emotionale Kompetenzen. So findet ein „Nachreifen“ der Kompetenzen statt. In Kombination mit anderen therapeutischen Interventionen kann erreicht werden, dass Patienten nach der Entlassung ein straffreies Leben führen können.
Wenn Sie diese Vorgehensweise nur in der Psychiatrie vermuten, liegen Sie falsch. Die „neue Arbeit“, wie in der Dokumentation „Armutsindustrie“ zu sehen, bedient sich ähnlicher Elemente und lässt somit über 1 Mio. Einkommenslose aus der Arbeitslosenstatistik verschwinden. Aus dem Mangel an Arbeit entsteht dadurch ein lukratives Geschäft: Arbeitgeber bekommen Zuschüsse, um Menschen wieder an einen Arbeitsalltag heranzuführen. Dafür streichen sie auch gerne einmal richtige Stellen. Gefördert wird diese Entwicklung dadurch, dass den Arbeitssuchenden die finanzielle Stütze gekürzt bis gestrichen wird, wenn sie sich weigern, an solchen Maßnahmen teilzunehmen. Schließlich ist es das Ziel, Menschen wieder in Arbeit zu bringen.
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