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Wer erwirtschaftet das Grundeinkommen? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Matthias Dilthey    Bookmark and Share
Freitag, 2. 10 2009

Um diese Frage beantworten zu können, sollten wir (gedanklich) die Erkenntnis "arbeite was, dann hat Du was" zurückstellen. Dass dieser Satz heute nicht so ganz stimmig sein kann, belegen die vielen prekären Beschäftigungsverhältnisse. Viele Menschen arbeiten heutzutage wie wild und kommen trotzdem zu Nichts (darunter auch sehr gut ausgebildete, z.T. auch Akademiker).

Eine Antwort auf die Frage, wer das Grundeinkommen erwirtschaftet, könnte uns ein geschichtlicher Rückblick geben.

Seit der Antike bis in die neuere Geschichte bezogen viele Menschen ein Grundeinkommen. Es galt in Kreisen der "Grundeinkommensbezieher" als "unschicklich", selbst körperliche Arbeit zu verrichten. Der damalige Grundeinkommensbezieher gab sich der Muße hin. Er beschäftigte sich mit "den schönen Künsten", der Malerei, der Philosophie. Er wirkte als Schriftsteller oder Dichter, Mathematiker, Architekt, Ingenieur oder Astronom, um nur beispielhaft einige Tätigkeitsfelder der damaligen Grundeinkommensbezieher zu benennen.

Die Wertschöpfung wurde von "Unwürdigen" bzw. Sklaven erbracht. Diese bestellten und ernteten die Felder, holten Erze, Gold und Silber aus den Mienen, schleppten die Steine für die Häuser und bauten diese. So wurde der damalige Grundeinkommensbezieher vollumfänglich versorgt. Sein Grundeinkommen und oftmals auch sein Wohlstand wurde eindeutig (und ausschließlich) von den Sklaven erwirtschaftet.

Die Sklaven erbrachten somit die eigentliche Wertschöpfung. Die Sklaven kosteten damals einen relativ geringen Kaufpreis und wenig Unterhalt. Ein paar Kilo Mehl, etwas Wasser und ein wenig Obst; mehr war für das "Funktionieren der Sklaven" nicht notwendig.

Die Epoche der Einführung der Menschenrechte und der Industriellen Revolution (in dieser Zeit entstand, damals auch zu recht, unser heutiger Arbeitsethos) möchte ich hier überspringen.

Heute haben wir auch wieder Sklaven, jedoch keine menschlichen: Automaten und Roboter können uns weitestgehend mit den Dingen des täglichen Bedarf versorgen. Die Produkte und Werte schöpfen, die es uns erlauben, dass wir uns der Muße und den "schönen Künsten" hingeben könnten. Wenn wir es (politisch) nur wollten.

Kein Mensch muss heute z.B. noch an einer Kasse im Supermarkt sitzen, Regale einräumen oder als Zugführer seine Zeit vergeuden. Das mögliche Rationalisierungs-Potential ist bereits heute noch nicht einmal zur Hälfte praktisch umgesetzt. Aus gutem Grund: Unser Wirtschafts- und Sozialsystem lässt es einfach nicht zu, dass es den Menschen auch ohne Erwerbsarbeit gut geht.

Schon seit den 70er Jahren ist es nicht mehr der Mensch, der die Wertschöpfung erbringt. Die überwiegende Wertschöpfung wird vom "Sklaven Automat" und "Sklaven Roboter" erbracht. Aber unser heutiges Wirtschafts- und Sozialsystem lässt es trotzdem nicht zu, dass sich die Menschen "der Muße und den schönen Künsten" hingeben können.

Würden wir bereit sein aus der Antike zu lernen, würden wir die "niedrigen Tätigkeiten" unseren Sklaven "Roboter und Automat" überlassen und uns mit den wahren menschlichen Tätigkeiten befassen. Nämlich Denken und Dichten. So wie es sich für einen ordentlichen Deutschen (Anspielung auf das "Volk der Dichter und Denker") bzw. für einen Menschen, egal wo auf dieser Welt, gehört!

Schon heute wäre das technisch und fiskalisch alles kein Problem, wenn denn der politische Wille vorhanden wäre.

 

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