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Kommentar: Die Krönungswelle rollt!
Geschrieben von Matthias Dilthey    Bookmark and Share
Sonntag, 6. 09 2009

Vollmundig berichtet die Netzwerk-Rätin Dorothee Schulte-Basta auf der Home-Page von Netzwerk Grundeinkommen von einer Aktion ihrer Schweizer Kollegen, die jedem eine Krone aufsetzen möchten. Dazu wurde ein teurer Tourbus aufwendig gestaltet und eine Tournee in Greifswald gestartet. WebMoritz dazu: Die Aktivisten der Initiative “Krönungswelle” setzten den Passanten auf dem Markt goldene Kronen aufsetzen und bei ihnen unter dem Motto “Wenn jeder sein eigener König ist, muss keiner der König des anderen sein” für die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens werben." Abgesehen von der Unverständlichkeit des Zitats berichtet das Blatt ... entfiel eine geplante Info-Veranstaltung im Hafen – zu wenig Leute waren unterwegs.

Zugegeben, so ganz fair ist meine Berichterstattung nicht. Ich habe "wegen des strömenden Regens" unterschlagen. Aber welcher Königsanwärter lässt sich wegen Regens bei gemäßigten Temperaturen von seiner Krönung abhalten?

Die "Krönungsaktion" setzt vollkommen falsche Akzente. Denn waren es nicht immer Kaiser und Könige, Reichskanzler und "dritte Herrscher", die Unheil über die Menschen brachten? War es nicht der Kampf "König gegen König" auf dem Rücken der Vasallen ausgetragen?

Falls jemand versucht, mir eine Krone aufzusetzen, werde ich mich, auch mit Fäusten, dagegen wehren. Denn ich möchte kein Herrscher sein; sondern ein "freier Mensch unter Gleichen!" In diesem Sinn verstehe ich ein BGE. Freie Menschen, die keiner Krone bedürfen, um ihre Eigenständigkeit zu bekunden. Das "Bedingungslose Grundeinkommen" soll Emanzipation schaffen und jovialen Handlungsspielraum, aber keine gekrönten Herrscher!


Kommentare (4)
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1. Geschrieben von: Guido Riga am 06-09-2009 07:32 - Registriert
 
 
Ich möchte auch kein König/Herrscher sein, einfach nur Mensch und kein Sklave, dass sollte genügen.
 
2. Geschrieben von: Jörg Drescher am 06-09-2009 10:03 - Registriert
 
 
Wer sich eine Krone aufsetzt oder aufsetzen läßt, wird deshalb noch lange kein König. Zudem verweist das Netzwerk Grundeinkommen stolz, dass die Idee von der Doktorarbeit des belgischen Soziologen Walter Van Trier abgeleitet sei und schon 1995 angedacht war. 
Dabei gab es schon seit den 1980er Jahren den Diskordianismus, eine Religion, die jeden ohne irgendwelche äußerlichen Zeichen zum Papst macht und gleichfalls jedem das Recht gibt, andere zu Päpsten zu ernennen (oder sie als Papst zu entlassen). 
Mir scheint deshalb, dass es (wieder?) einen Streit der weltlichen "Führung" gibt und einer geistigen: Die Krönungs"jünger" setzen auf sichtbare Zeichen und ein weltliches Auskommen; die Diskordianer setzen hingegen auf innere Werte und verstehen das Grundeinkommen aus geistiger Sicht ;-)
 
3. Geschrieben von: Guido Riga am 06-09-2009 18:17 - Registriert
 
 
Klar die Krönungswelle ist eine Werbekampagne für ein BGE.Kein Problem,warum nicht.
 
4. Geschrieben von: Matthias Dilthey am 06-09-2009 19:48 - Registriert
 
 
Klar, die \"Krönungswelle\" ist eine Werbeaktion. Doch was wird mit dieser Werbeaktion beworben? 
 
Mit dieser Aktion wird weniger das BGE, sondern die neo-liberale Ellenbogen-Mentalität beworben. Denn ein Kaiser oder König steht, zumindest im Empfinden der meisten Menschen, oberhalb der Rechts- und Staatsordnung. Der König kann schalten und walten, wie es ihm beliebt, also ohne an Gesellschaftsnormen (z.B. solidarisches Verhalten) gebunden zu sein. 
Mit anderen Worten: Die Krönungswelle transportiert ein völlig anderes Menschenbild. Nämlich das Menschenbild, über den Mitmenschen erhaben zu sein. Es spielt dabei auch keine Rolle, ob das von den Initiatoren so gewollt ist oder nicht. Das einzige was zählt, ist die Außenwirkung, die mit einer Aktion erzielt wird. 
 
Auch bei wohlwollender Betrachtung der \"Krönungsaktionen\" kann ich keinerlei Signale entdecken, die ein solidarisches Verhalten der Menschen fördern könnte. 
 
Bewusst oder unbewusst bewirbt diese Aktion genau das Gegenteil von dem, was sich nahezu alle BGE-Befürworter erhoffen. Nämlich eine wärmere, solidarische und emanzipierte Gesellschaft!
 
 
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