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Vollbeschäftigung oder Grundeinkommen? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Jörg Drescher    Bookmark and Share
Freitag, 21. 08 2009

Einige Leute, die das Grundeinkommen ablehnen, plädieren für Vollbeschäftigung. Sie sprechen sich gegen ein Grundeinkommen aus, indem sie das Argument der Gerechtigkeit anführen: Wer schon hat, dem soll nicht zusätzlich (ein Grundeinkommen) gegeben werden. Das bezieht sich in der Diskussion vor allem auf die Reichen einer Gesellschaft.

Allerdings fragt keiner, ob denn „Vollbeschäftigung“ gerecht wäre. Das rührt hauptsächlich daher, dass das Gerechtigkeitsempfinden auf der Idee beruht, für seine eigene Leistung auch entsprechend entlohnt zu werden. Hiergegen ist nichts einzuwenden und dem steht die Idee des Grundeinkommens auch nicht im Weg. Vielmehr lässt sich fragen, ob es denn gerecht ist, dass nur ein Teil der Bevölkerung in den Genuss der politischen Bemühungen nach Vollbeschäftigung kommt.

Gemeint ist, dass der Versuch, Vollbeschäftigung zu erreichen, nur jenen zugute kommt  die tatsächlich arbeiten können und wollen (und zusätzlich dem Staat, der an der Einkommensbesteuerung mitverdient). Kinder, Alte, Behinderte oder Kranke fallen aus den Bestrebungen heraus – und neuerdings jene, für die keine Einkommensarbeit mehr bleibt.

Dabei beschrieb Charles Darwin 1871 in seinem Werk „Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“ eine Eigenart des Menschen wie folgt:

Unter den Wilden werden die an Körper und Geist Schwachen bald eliminiert; die Überlebenden sind gewöhnlich von kräftigster Gesundheit. Wir zivilisierten Menschen dagegen tun alles mögliche, um diese Ausscheidung zu verhindern. Wir erbauen Heime für Idioten, Krüppel und Kranke. Wir erlassen Armengesetze, und unsere Ärzte bieten alle Geschicklichkeit auf, um das Leben der Kranken so lange als möglich zu erhalten. [...] Infolgedessen können auch die schwachen Individuen der zivilisierten Völker ihre Art fortpflanzen.

So negativ dieses Zitat auch klingt, so ersieht man daraus, dass sich erst „zivilisierte Menschen“ um jene kümmern, die von den Bemühungen um Vollbeschäftigung nicht betroffen sind. Heißt das dann, dass „unzivilisierte Menschen“ nach Vollbeschäftigung rufen? Oder gönnen diese Menschen einfach niemandem ein „leichteres Leben“, das ihnen durch ein staatliches Grundeinkommen ermöglicht würde?

Ein Staat mit dem Ziel „Vollbeschäftigung“ ist nicht (mehr?) für alle Bürger da. Soll und kann ein Staat aber überhaupt für alle da sein? Mit einem Grundeinkommen wäre das denkbar.

Zudem gibt es genug Beschäftigungsmöglichkeiten - nur wenige davon ergeben heute Einkommen. Man sollte deshalb den Menschen endlich die Möglichkeit geben, sinnvoll tätig zu werden, statt sie mit Geldverdienen davon abzuhalten.

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