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Die Berliner Morgenpost veröffentlichte am 18. August 2009 einen offenen Brief des Online-Autors Hajo Schumacher, der seine Kritik an dem Wirbel um den Film von Hape Kerkeling „Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“ übt.
So gerechtfertigt die Kritik auch sein mag, wenn man den Trubel ernst nimmt, so zeichnet sich ein weiteres Bild ab: Wir leben in einer Videokratie, bei der es weniger um Inhalte geht, sondern um die richtige Vermarktungsstrategie. Und hier füllt der Film ein Vakuum, das durch die Ratlosigkeit in der Krise entstand und einen Nichtwahlkampf im Superwahljahr 2009 verursacht hat.
Während Schumacher meint, Kerkeling ginge es um Tickets und
Werbeverträge, lässt sich fragen, um was es den „richtigen“ Politikern
geht. Sind ihnen die Bürger und deren Probleme wirklich nicht egal?
Oder brauchen sie die mediale Aufmerksamkeit, die der Film gerade auf
sich zieht?
So wollte die CDU von Grevenbroich (der Heimat des virtuellen Schlämmers) auf den fahrenden Zug aufspringen und mit der Kunstfigur den eigenen Wahlkampf für die Bürgermeisterwahl bestreiten. Auch Befürworter eines Grundeinkommens, die sich zur Bundestagswahl aufstellen ließen, versuchen an die Kunstfigur zu kommen, um dem Grundeinkommen damit mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Schumacher wirft Schlämmer weiter vor:
Sie werden nie in die Verlegenheit kommen, Entscheidungen treffen zu müssen, über Kriege, über Sozialkürzungen oder Sterbehilfe. Sie übernehmen keine Verantwortung, sondern verstecken sich in Ihrer Witzewelt. Dass 18 Prozent der Deutschen Sie angeblich wählen würden, beweist nicht Ihre Großartigkeit als Komiker, sondern nur, dass etwa einer von fünf Landsleuten schlichtweg einen an der Waffel hat, wie Sie es ausdrücken würden.
Tragen „richtige“ Politiker wirklich Verantwortung für „ihre“ Entscheidungen? Während sich Schlämmer hinter einer Witzewelt verstecken mag, ziehen sich die „richtigen“ Politiker mit dem Mehrheitsverfahren aus der persönlichen Verantwortung.
Sicher sind die 18 Prozent der Wählerstimmen kein Beweis für Kerkelings Großartigkeit als Komiker – sie wären aber auch kein Beweis für die Großartigkeit eines realen Schlämmers als Politiker. Vielleicht hat nicht jeder fünfte der Landsleute einen an der Waffel, sondern erkennt diesen Sachverhalt im Spiegel des Films.
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