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Ausnahmen schaffen Arbeit PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Klaus Räuber    Bookmark and Share
Freitag, 17. 07 2009

Wie hier im BGE-Portal berichtet, plädiert der HWWI-Chef Thomas Straubhaar für ein Grundeinkommen. In dem Artikel der BZ heißt es sinngemäß, dass Ausnahmen Geld kosten. Das möchte ich zum Anlass nehmen, zu überlegen, was passieren würde, wenn ein Grundeinkommen eingeführt würde.

In der BGE-Szene spricht man gerne von dem Argument für das Grundeinkommen, weil damit die Bürokratie abgebaut würde. Doch was sollen die vielen Angestellten in den Jobcentern machen, die heute mit Hartz-IV-Empfängern beschäftigt sind? Bisher durchleuchten sie das Leben der Bedürftigen und begutachten dazu tonnenweise Formulare. Sie versuchen manchmal, ALG-Empfängern Jobs zu vermitteln und entsprechende Kürzungen anzudrohen oder durchzusetzen, wenn man nicht mitspielt.

Diese Arbeitsaufgabe wurde diesen Bürohengsten durch das System gegeben. Mit einem Grundeinkommen – von Thomas Straubhaar in Höhe von 400 Euro vorgeschlagen – wären sie plötzlich erwerbsarbeitslos. Kommt der Beamtenstatus hinzu, muss gefragt werden, welche Aufgabe diesen Staatsbediensteten dann übertragen werden kann. Vor allem heißt es bei Beamten, dass sie nach Anweisung arbeiten. Selbst wenn sie also kündbar wären, fehlt ihnen jemand, der ihnen sagt, was zu tun ist und wie es passieren soll.

Aber damit nicht genug, denn eine Vereinfachung des Steuersystems bringt auch viele Berufe in Bedrängnis, die heute mit der Komplexität Geld verdienen. Steuerberater fallen weg. Die Verwaltung in den Unternehmensabteilungen schrumpft auf ein Minimum zusammen. Auch hier die Frage, was all diese Menschen machen sollen.

Angenommen, das Grundeinkommen würde tatsächlich 400 Euro betragen, kann es natürlich passieren, dass durch den gesamten Bürokratieabbau die Kaufkraft steigt. Das würde heißen, die 400 Euro könnten in der BGE-Gesellschaft zum Beispiel so viel Wert haben, wie heute 2.000 Euro.

Aber Geld allein macht nicht glücklich. Wenn nun die Millionen zusätzlich durch Bürokratieabbau generierten Arbeitslosen anfangen, sich um Jobs zu bemühen, die sowieso schon rar gesät sind, könnte es zu einem massiven Verfall von Löhnen und Gehältern kommen. Das würde zu einer steigenden Produktivität führen, gleichzeitig die Preise senken ... und die Staatseinnahmen schmälern.

Dann wären da noch die übrigen arbeitenden Menschen, die sich heute durch Gewerkschaften organisieren. War der Streik ohne BGE ein Mittel, um Konzerne unter Druck zu setzen, stehen mit BGE tausende Streikbrecher vor der Tür, die eine Aufgabe suchen und etwas zu ihrem Grundeinkommen hinzuverdienen wollen.

Nimmt man das Automatisierungspotential in anderen Bereichen noch hinzu (zum Beispiel im Bankwesen) und würde dies voll ausschöpfen, wäre der Begriff „Freizeitgesellschaft“ der passende Ausdruck für eine BGE-Gesellschaft.

Doch Menschen mit Freizeit langweilen sich und können auf dumme Gedanken kommen. Ganz zu Schweigen von Alkohol und Drogen.

So können wir uns glücklich schätzen, dass es heute so viele Ausnahmen gibt, denn dadurch werden Arbeitsplätze geschaffen. Es lebe die Erwerbsarbeitsgesellschaft!

 
Diskutiere (1 Beitrag)
Guido
Ausnahmen schaffen Arbeit
Sep 10 2009 12:02:42
In diesem Thema wird dieser Beitrag diskutiert: Ausnahmen schaffen Arbeit

Hallo Klaus

Hoffen wir nicht das Herr Straubharr mit seinen Vorschlägen sich durchsetzt !

Ich wünsche mir schon das mit einem emanzipatorischen BGE auch eine Vereinfachung des Steuersystems für den einzelnen Menschen einhergeht und Bürokratie endlich anstatt immer weiter aufgebläht,kontinuierlich und konsequent in allen Bereichen abgebaut wird,da sollte man schon wissen was man will.

Es stimmt,der Abbau von Bürokratie verursacht neue Probleme,wohin mit all den Menschen die im Prinzip überflüssig (beruflich)werden.Sie werden wohl einen gewissen Kundigungsschutz besitzen und wo möglich
anders im Betrieb oder Behörde eingesetzt werden.Wo nicht wird wohl eine Abfindung vereinbart.

Da könnte doch nun ein Grundeinkmmen-Plus eingeführt werden für Leute die sich Umschulen oder Fortbilden.
Eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung könnte auch hilfreich sein.

Um die Jobcenter mache ich mir keine Sorgen,die wird es auch nach Einführung eines BGE weitergeben.

Lieber Gruß
Guido
#68

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