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Grundeinkommen als Projektionsfläche
Geschrieben von Matthias Dilthey    Bookmark and Share
Dienstag, 7. 07 2009

Jörg Marx, Freier Journalist und Organisationsberater mit den Schwerpunkten Soziales, Non Profit Organisationen / Sozialwirtschaft und Social Communications setzt sich in seinem Blog erneut mit D4U und Willi Weise auseinander. Der gut recherchierte Artikel zieht das folgende Fazit:

Der Irrglaube an die Natürlichkeit sozialer Prozesse, die man nicht gestalten, sondern nur durchsetzen muss, und das Vorherrschen von Ressentiments finden sich auch bei anderen dubiosen Gruppen, die mit dem Grundeinkommen werben. Etwa bei der Willi Weise Bewegung.

Die Argumentation hat dabei immer dasselbe krude Muster: Die Reichen vermehren ihren Reichtum durch “unnatürliche” Zinsen. Schafft man das Zinssystem ab, kommt irgendwie das “natürliche” Grundeinkommen am Ende heraus. Das Grundeinkommen ist also nicht mehr als eine Projektionsfläche. Je näher die Bundestagswahl nun rückt, desto öfters sieht sich die in Inititiativen und Netzwerke zersplitterte Grundeinkommensbewegung mit solchen Gruppen konfrontiert. Die D-BÜ hat die Beteiligung an der Bundestagswahl zum 29. Juni angezeigt und sucht, ebenso wie die Willi Weise Bewegung, zurzeit den Kontakt zu Grundeinkommensinitiativen.

Jörg Marx endet jedoch mit einer richtigen, aber halbherzigen Feststellung:

Diese scheinen völlig überrascht zu sein. Und auch überfordert. Denn letztlich prallen hier zwei entgegengesetzte Welten aufeinander. Hier die offene Diskussionskultur, dort das aggressive Stakkato der vermeintlich Entrechteten, die ihr Recht fordern und es als Gerechtigkeit verkaufen. Langsam hat sich aber in der Grundeinkommensbewegung herumgesprochen, dass nicht überall, wo Grundeinkommen draufsteht, auch ein Grundeinkommen drinnen ist.

Halbherzig deswegen, weil ein BGE je nach Ausgestaltung von "Unten nach Oben", von "Oben nach Unten" oder auch nur innerhalb der "Armen" umverteilen kann. Die Grundeinkommensbewegung ist, wie Marx richtig feststellt, überfodert, weil vielen Akteuren innerhalb der Bewegung das nötige Fachwissen bezüglich der soziologischen und fiskalischen Zusammenhänge fehlt.

Viele sind von der BGE-Idee so verblendet fasziniert, nur weil sie ein Buch von Götz Werner gelesen haben oder den in der Darstellung absolut einseitig aufgebauten Hochglanz-Film zweier Schweizer Selbstdarsteller gesehen haben, dass sie weder "die Wölfe im Schafspelz" (Marx) erkennen, noch erkennen wollen, dass es eine Vielzahl unterschiedlichst wirkender BGE-Modelle gibt.

Aber auch Prof. Götz Werner scheint völlig überfordert: Im letzten Newsletter seiner Initiative "Unternimm die Zukunft" ist eine Empfehlung für "Willi Weise" zulesen:

Inzwischen gibt es mindestens fünf parteilose Direktkandidaten, die sich in ihrem Wahlkreis für ein Bundestagsmandat bewerben und sich klar für ein Bedingungsloses Grundeinkommen aussprechen (siehe auch www.williweise.de ) Sie können die Kandidaten, wenn Sie in deren Wahlkreis gemeldet sind, mit Ihrer Unterschrift unterstützen

Angesichts der fundierten Kritik, sowohl innerhalb der BGE-Initiativen, als auch bei Marx-Blog und BGE-Portal, stellt sich mir die Frage, ob der Professor noch weiß, was er mit seiner Empfehlung für "Willi Weise" schreibt.

Das BGE ist wie Beton: Es kommt darauf an, was man daraus macht!




Kommentare (5)
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1. Geschrieben von: Erik Völter am 07-07-2009 21:03 - Registriert
 
 
1. Enno Schmid ist Deutscher 
2. Lesen schadet normalerweise nicht 
3. Wenn nötiges Fachwissen fehlt, kann man es sich aneignen - aus allen zur Verfügung stehenden Quellen! 
4. Die Idee des BGE kann nicht wie Beton sein, sonst würde sie Betonköpfen entspringen. 
Es lebe die Toleranz.....
 
2. Geschrieben von: Matthias Dilthey am 07-07-2009 22:26 - Registriert
 
 
"Beton: Es kommt darauf an, was man daraus macht" war ein Werbespruch der späten '70er, frühen '80er Jahre. 
 
Der Vergleich hat auch nichts mit Betonköpfen gemein. Vielmehr ist der Spruch ein Beispiel für die Vielschichtigkeit eines Materials/Werkzeug. 
 
Mit Beton lässt sich vieles Bilden. Vom Betonkopf, über sterile Hochhäuser bis hin zu filigranen Figuren/Bauwerken. Es kommt eben darauf an, was man daraus macht!
 
3. Geschrieben von: Erik Völter am 07-07-2009 22:34 - Registriert
 
 
@ Matthias 
Je filigraner desto fragiler. 
Da ist die Sache mit dem "Wind unter den Flügeln" schon greifbarer. :-)
 
4. Geschrieben von: Jörg Drescher am 07-07-2009 22:51 - Registriert
 
 
@Erik 
Bei dem "Wind unter den Flügeln" fällt mir das Video von Herrn Ackermann ein, das hier im BGE-Portal veröffentlicht wurde: 
http://www.bge-portal.de/20090214224/Allgemein/Videos/Nicht-in-Problemen-sondern-in-Loesungen-denken-NIPSILD.html 
 
Das Problem beim Grundeinkommen ist, daß sich kaum jemand Gedanken macht, wie die Welt aussieht, wenn das Ziel erreicht wäre. Gerade sehen viele ihren Sinn darin, sich für das BGE einzusetzen. Manche wittern auch die Chance, es deshalb auch für eigene Zwecke zu mißbrauchen. 
 
Wer nicht versteht, daß ein BGE nur Werkzeug ist, wird sich daran schwer verletzen. Und bisher scheint kaum jemand zu sehen, daß das BGE überhaupt nicht das Ziel sein kann. Wäre es das, ist es so, als ob ich mir morgen einen Betonmischer vors Haus bestelle...
 
5. Geschrieben von: Erik Völter am 08-07-2009 18:45 - Registriert
 
 
@Jörg 
Vielleicht interpretiere ich jetzt zu viel in Deinen Kommentar hinein, dennoch versuche ich eine Antwort. 
Wer sich für das BGE einsetzt verbindet damit ein Ziel - das zeigen die vielen, auch auf dieser Seite stets lesbaren Begründungen von: www.woche-des-grundeinkommens.eu 
Menschen, die das Ziel sehen, ganz individuell. Insofern ist das BGE ein Werkzeug, aber im Gegensatz zum Graphen mindesten zweidimensional und daher auch von Trittbrettfahrern nutzbar. Doch was ist daran so unerträglich? 
Jedes Risiko ist auch eine Chance. Niemand kann alle Risiken abschätzen, sondern nur die, die er erkennen kann, genau wie der Schachgroßmeister auch nur eine bestimmte Anzahl von Zügen planen und durchdenken kann. Das BGE ist ein Ziel, frei nach Konfuzius: "Der Weg ist das Ziel"
 
 
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