Das dominierende Menschenbild der Wirtschaft ist der „Homo Oeconomicus“. Diese Idee beschreibt einen Akteur, der eigeninteressiert ist und rational handelt, seinen eigenen Nutzen zu maximieren versucht, auf Restriktionen reagiert, feststehende Präferenzen hat und über möglichst alle Information verfügen will. Die Idee eines Grundeinkommens passt solange nicht zu diesem Menschenbild, wie es nicht eingeführt ist. Aus dem einfachen Grund, weil es für den „Homo Oeconomicus“ nicht rational nachvollziehbar ist, weshalb jeder ein Bedingungsloses Grundeinkommen erhalten soll.
Allerdings gerät dieses theoretische Menschenbild durch neuere Wissenschaften ins Wanken. Vor allem die Verhaltensökonomie der Wirtschaftswissenschaft zeigt immer wieder auf, dass der „Homo Oeconomicus“ als rationaler Nutzenmaximierer nicht anwendbar ist.
Die Verhaltensökonomie bedient sich dabei Methoden aus der Spieltheorie, die wiederum ein Teilbereich der Mathematik ist. Dabei geht es um die Analyse von Systemen mit mehreren Akteuren. Sie versucht daraus rationale Entscheidungsverhalten in sozialen Konfliktsituationen abzuleiten. Dabei ist die Spieltheorie weniger als zusammenhängende Theorie zu verstehen, sondern mehr als Sammelsurium von Analyseinstrumenten.
Diese Wissenschaft ist deshalb interessant, weil sie modellhafte Antworten auf Fragen gibt, die auch mit der Einführung eines Grundeinkommens verbunden sind. Das muss nicht verwundern, denn schließlich findet die Spieltheorie in Bereichen Anwendung, die gleichfalls vom Grundeinkommen betroffen sind. Zum Beispiel in den Wirtschaftswissenschaften, der Politikwissenschaft, der Soziologie, der Psychologie ua.
Beim Grundeinkommen besteht eine der wesentlichsten Fragen darin, wie sich Menschen nach Einführung einer regelmäßigen Geldzahlung verhalten. Entsprechend mahnen Gegner an, niemand würde mehr arbeiten, wenn für den Lebensunterhalt gesorgt sei. Das hat etwas mit Vertrauen zu tun. Vertrauen kann wiederum mit der Spieltheorie untersucht werden (Verstrauensspiel, Ultimatumsspiel, Gefangenen-Dilemma).
Die modernen Theorien weichen die starke Kausalität auf. Damit ist gemeint, dass ähnliche Wirkungen keineswegs zu ähnlichen Ergebnissen führen. Die Gesellschaft wird mehr und mehr als komplexes System verstanden. Die Wechselwirkung der einzelnen Mitglieder besteht in der Kooperation und in den Konflikten bei den Versuchen, Ziele in einer Gruppe durchzusetzen.
Ordnung wird nicht mehr als starres Gebilde verstanden, sondern als dynamischer Prozess. Jeder Ordnungsversuch wird nach neueren Auffassungen durch das System selbst gestört. Wenn das System die innere Dynamik zulässt, kann die innere Struktur an den Einwirkungen ihrer Akteure zu mehr Ordnung führen. Erfindungen, Ideen oder neue Überzeugungen können dabei von der Gesellschaft unterdrückt oder verstärkt werden.
Mit der Spieltheorie können diese Phänome besser verstanden werden. Bei den Erklärungsversuchen versagen Modelle, wie der „Homo Oeconomicus“. Neuere Ansätze gehen eher von einem „Homo Informaticus“ aus, der auf Informationen seiner Umgebung reagiert und selbst Informationen in seine Umgebung abgibt.
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