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Trittin - Was mit 4.500 Tonnen Atommüll machen? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Jörg Drescher    Bookmark and Share
Donnerstag, 18. 06 2009

Sehr geehrter Herr Trittin,

mein Name ist Jörg Drescher und ich lebe in der Ukraine. Vielen Dank für Ihre Frage, was man mit 4.500 Tonnen Atommüll machen soll. Ich möchte zuerst meinen Respekt aussprechen, weil Sie den Mut haben, ein Problem ansprechen, wofür es bisher offensichtlich keine Lösung gibt. Für mich hat das Thema noch eine andere Bedeutung, weil ich nur 120 Kilometer von Tschernobyl wohne.

Bleiben wir allerdings in Deutschland.

Um die Zahl 4.500 Tonnen etwas anschaulicher zu machen, rechnen wir den Müll einmal auf die 82 Mio. Einwohner in Deutschland um. Demnach hat jeder Bundesbürger zirka 55 Gramm hochgiftigen radioaktiven Müll. Das macht seit den ersten AKWs aus dem Jahr 1966 zirka 1 Gramm pro Jahr und pro Person. Statistisch kann man sich den Müll schön rechnen.

Aber einmal abgesehen davon, sollten wir uns bewusst sein, dass es schon immer Radioaktivität gab. Das Problem liegt im Prinzip darin, dass wir die natürlichen Vorkommen erst zu hochgiftigen Dosen konzentrierten, um sie nutzen zu können. Ich finde es schade, dass nur die Abfallprodukte betrachtet werden und damit der gesamte Vorlaufprozess vernachlässigt wird.

Seit der friedlichen Nutzung von Atomenergie scheinen sich nur wenige ernsthaft Gedanken darüber zu machen. Niemand hat real 55 Gramm hochgiftigen Müll zu Hause, aber der Strom kommt weiterhin aus der Steckdose. Radioaktivität kann man weder sehen, fühlen, noch schmecken. Zudem ist das Problem für die meisten weit weg und unmittelbar.

Auch ich habe keine Lösung, was wir mit dem Müll machen sollen. Allerdings hoffe ich darauf, dass vielleicht eines Tages eine Möglichkeit gefunden wird, den Müll zu entsorgen.

Bis dahin – sollte es je diesen Zeitpunkt geben – ist es in meinen Augen unverantwortlich, weiterhin auf diese Energieerzeugung zu setzen. Es ist Aufgabe der Politik, dafür Rahmenbedingungen zu schaffen.

Möglichkeiten sind vorhanden. Und ich spreche nicht von Kohle oder anderen Verbrennungskraftwerken, die das Klima mit ihren Abgasen beeinflussen. Vielmehr meine ich Lösungen, wie zum Beispiel Geothermie, Meerwärmekraftwerke, Wind, Wasser und Solar. Auch Biomasse kann zur Energiegewinnung genutzt werden – so bietet sich zum Beispiel Hanf als Allround-Pflanze für vielerlei Lösungen an, um nicht Mais oder Getreide der Ernährung zu entziehen.

Ein Energiemix aus alternativen Quellen hilft, Atommüll und Klimagase zu vermeiden. Es geht nicht darum, den Kopf in den Sand zu stecken. Noch ist nicht alles verloren. Wir dürfen nur nicht so weitermachen und müssen den Willen entwickeln, Verantwortung für die Zukunft unserer Spezies zu übernehmen.

 

Veröffentlicht am 18.06.2009 als Antwort auf Open Reichstag zur Frage von Jürgen Trittin: Was sollen wir mit dem Atommüll machen?

 
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