mein Name ist Jörg Drescher und ich lebe in der Ukraine. Vielen Dank für Ihre Frage, die mich an Horst Köhler erinnert. Er wollte auch wissen, wie wir in Zukunft zusammen leben wollen.
Darüber mache ich mir schon seit mehreren Jahren Gedanken. Die rechtlichen Grundlagen sind weitgehendst vorhanden – egal, ob in Deutschland oder anderen Staaten. Es gibt die allgemeinen Menschenrechte und die verschiedenen Verfassungen der Ländern sehen das Wohl der Bevölkerung vor. Dieses Ziel steht in der Präambel der amerikanischen Verfassung, im Amtseid der BRD und auch in der DDR gab es einen ähnlichen Amtseid. Russland, die Ukraine, Ghana, der Iran, die Türkei, Griechenland und andere Verfassungen kennen ebenfalls dieses Ziel.
Aus diesem Grund wünsche ich mir eine joviale Gesellschaft, die das Wohlbefinden aller Menschen anstrebt und zu optimieren versucht.
Die Frage, wie dieses Ziel erreicht wird, entschied bisher die Politik. Ich wünsche mir allerdings, dass jeder Bürger der Welt selbst entscheiden kann, was er sich unter seinem Wohlbefinden vorstellt. Ich wünsche mir, dass der Einzelne von der Gemeinschaft wie in einer Familie darin unterstützt wird, diese Vorstellung zu verwirklichen.
Ich wünsche mir in einer jovialen Gesellschaft außerdem, dass weniger in Problemen gedacht wird, sondern dass Lösungen gesucht werden. Dies kann zum Beispiel durch ein Vorschlagswesen und Ideenmanagement erfolgen. In Bürgergutachten können dann Empfehlungen für Politiker ausgearbeitet werden, die als Entscheidungshilfe dienen.
Ich wünsche mir, dass die Kreativität in der Bevölkerung genutzt wird. Um dieses Potential zu aktivieren, bedarf es mündiger Bürger und eines emanzipatorischen Sozialstaats. Gemeint ist, dass der Einzelne durch die Gemeinschaft vorbereitet wird, mit den Freiheiten umzugehen, die ihm von der Gesellschaft gewährt werden. Dazu zähle ich zum Beispiel auch ein Bedingungsloses Grundeinkommen.
Letztlich noch ein Wort zur Würde: Die Putzfrau und der einfachste Arbeiter, sowie Alte, Kranke, Behinderte und Arbeitslose sollen von der Gesellschaft die gleiche Anerkennung erfahren, wie Reiche und Firmenchefs. Alle tragen zum Wohlbefinden der Bevölkerung bei – jeder eben nach seinen Möglichkeiten.
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind längst für eine joviale Gesellschaft geschaffen. Fangen wir also damit an, den Menschen die Möglichkeiten zu geben und sie dahingehend zu erziehen, innerhalb dieser Grenzen ihr Wohlbefinden zu optimieren. Ich wünsche mir, dass keiner mehr gezwungen ist, sich mit Bomben Gehör zu verschaffen.
Veröffentlicht am 17.06.2009 als Antwort auf Open Reichstag zur Frage von Gregor Gysi: Wie soll die Menschheit zusammenleben?
|