Viele Grundeinkommensbefürworter sehen bei der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens ein wesentliches Problem in der Freiheit. Der Umgang mit dieser Freiheit hängt vom Gewissen ab, das seinerseits im Reifegrad eines Menschen festgemacht werden kann.
In der Vergangenheit ging man davon aus, dass das Gewissen des Einzelnen nicht ausreicht, weshalb Gesetze als staatliche Grenzen der Freiheit festgelegt wurden. In der Wirtschaft führte man Geld ein, um Grenzen für das Nehmen festzulegen. Dies setzte eine Messbarkeit des zu Gebenden als universellen Wert voraus.
Geld ist mit seinem Zahlenwert eine Maßeinheit für Werte, womit sich rechnen lässt. Aber alles, was berechenbar ist, bedeutet gleichfalls, dass es kalkulier-, steuer- und absehbar wird – kurz: determiniert. Doch gibt es Grenzen der Messbarkeit.
Der genannte Reifegrad eines Menschen und ob sein Gewissen intakt ist, sind dafür Beispiele. Der Reifegrad beschreibt die Anerkennung von Freiheitsgrenzen und spielt bei den Überlegungen zum Grundeinkommen eine wesentliche Rolle. Entsprechend wird die Befürwortung zu einer Glaubenssache jener, die dem Menschen diese Reife zumuten. Dabei hat Glauben mit Vertrauen zu tun: Der Anerkennung der Unmessbarkeit.
Das Gewissen ist hierbei eine Fähigkeit des Menschen und zeigt sich in der Beurteilung von geleisteten oder unterlassenen Handlungen – meist den eigenen. Damit verbunden ist ein Verantwortungsgefühl, inwieweit sich der Einzelne über die Konsequenzen seines Handeln bewusst ist oder sein will. Während Konsequenzen messbar sind, äußern sich Gefühle nur im Einzelnen.
Befürworter glauben, ein Grundeinkommen würde den Menschen aufwerten und ihm ein positives Grundgefühl geben. Damit wäre eine Vertrauensbasis geschaffen, um dem Menschen die Reife zuzumessen, Verantwortung für sich, seine Mitmenschen und seine Umwelt zu übernehmen. Bisher sei der Reifeprozess durch den Überlebenskampf gestört. Werden die Existenzsorgen weggenommen, komme der Reifungsprozess voll zur Entfaltung.
Gegner meinen indes, dass dieser Überlebenskampf zum Reifeprozess gehöre und wenn dieser fehle, verkümmere die Reifung. Der Mensch würde durch die Existenzsorge und dem einhergehenden negativen Grundgefühl aufgewertet, weil es die Motivation zur Reifung geben würde, dieses negative Gefühl zu beseitigen. Erst dadurch übernähme der Mensch zumindest für sich selbst Verantwortung, was die Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen und seiner Umwelt nach sich ziehe.
Beide Überlegungen sind Glaubens- und Überzeugungsangelegenheiten, weil es Grenzen der Messbarkeit gibt. Die einen vertrauen dabei auf ein positives Grundgefühl, während die anderen diesem misstrauen. Beide machen an diesem Grundgefühl die Motivation zur Selbstreifung und Gewissensbildung fest.
Doch es gehört weitaus mehr zu diesem Prozess. So spielen Umweltbedingungen und Vorbilder eine wichtige Rolle, sowie die Anerkennung als Belohnungsfaktor für die Motivation. Während die Gegner diese Belohnung in der Abschaffung des negativen Grundgefühls sehen, mangelt es den Befürwortern eines Grundeinkommens an Argumenten, wie dieser Reifungsprozess in Gang gebracht werden solle. Vielmehr setzen sie eine gewisse Grundreife des Menschen voraus, indem die objektive Anerkennung des Selbstwerts Motivation zur inneren Reifung sei.
Jedoch fehlt die Möglichkeit, diese Grundreife zu messen. Dies kann als Grund betrachtet werden, weshalb sich Staaten mit ihrer Rechtssprechung bildeten. Der liberale Ansatz geht entsprechend von einem negativen Grundgefühl aus, um den Selbstreifungsprozess durch den Wunsch in Gang zu bringen, dieses negative Gefühl abzuschaffen. Der soziale Ansatz sieht dagegen die Notwendigkeit, ein positives Grundgefühl zu schaffen, das der Mensch durch dessen Erfahrung erhalten will.
Beiden Ansätzen versucht die joviale Idee zu vereinen, indem sie annimmt, dass einem positiven Grundgefühl ein negatives Gefühl gegenübersteht, das positive Grundgefühl verlieren zu können. Wenn eine Gesellschaft dieses negative Gefühl einfach ausklammert, wie es im sozialen Ansatz passieren kann, macht sich der Einzelne von dem Funktionieren der Gesellschaft abhängig und die Individualität kommt zu kurz. Gibt die Gesellschaft allerdings kein positives Grundgefühl vor (durch die Anerkennung des Menschen als Mensch), kann es beim liberalen Ansatz passieren, dass positive Gefühle auf Kosten anderer angestrebt werden und das Soziale auf der Strecke bleibt.
Die Grenzen der Messbarkeit weichen den Wahrscheinlichkeiten möglicher Konsequenzen. Damit ist allerdings keine exakte Vorhersage mehr möglich, sondern lediglich das Vertrauen in den nichtmessbaren Reifegrad eines Menschen.
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