Wer kennt es nicht: Die „geschlechterneutrale Sprache“. Damit wird gefordert, dass in Texten gemeinte Personengruppen nicht nur in der männlichen, sondern auch in der weiblichen grammatikalischen Form genannt werden sollen. Man(n und frau) darf nicht mehr nur von Arbeitern sprechen, sondern muss auch die Arbeiterinnen explizit nennen, um heute „politisch korrekt“ zu sein. Um Texte damit nicht unnötig zu verlängern, gibt es die Mode, hinter jede Personenbezeichnung ein groß geschriebenes „Innen“ zu setzen. So kann man(n und frau) also von ArbeiterInnen schreiben und spricht damit beide Geschlechter an.
Man(n und frau) kann dies nun als Vergewaltigung der Sprache betrachten, oder als Unsitte und Barbarei. Schließlich sind wir alle Menschen und es gibt nicht zusätzlich Menscheninnen. Trotzdem wird geschlechterunneutralen Texten vorgeworfen, sie würden Frauen sprachlich diskriminieren, ausgrenzen und unterdrücken.
Das eigentliche Problem besteht allerdings nicht in der Sprache, sondern im tatsächlichen Unterschied zwischen Mann und Frau[1]. Deshalb nahm Sigmund Freud an, dass Frauen (zumindest unterbewusst) Männer um deren Penis beneiden würden[2]. Dem sollte man(n und frau) entgegensetzen, dass es vielleicht gar nicht um äußerliche Geschlechtsmerkmale geht.
Frauen besitzen zwei X-Chromosomen, während Männer ein X und ein Y-Chromosom haben. Statt nun auf das Mehr an X-Chromosomen stolz zu sein, könnten Frauen nicht dem männlichen Penis neiden, sondern dem Y-Chromosom.
Allerdings entwickelt sich das „gefühlte Geschlecht“ nicht allein durch die Gene. Vielmehr produzieren die genetisch vorgesehenen Geschlechtsorgane schon im Mutterleib sehr früh Hormone, worin der Embryo „badet“. Diese Hormone haben Einfluss auf die weitere geschlechtsspezifische Entwicklung des Kindes – sowohl äußerlich, als auch im Gehirn[3]. Heraus kommt trotzdem: ein Mensch.
Das Genderproblem hängt entsprechend damit zusammen, dass sich manche Frauen in ihrer von Männern dominierten Definition von Weiblichkeit gefangen fühlen. Sie wehren sich gegen die Vorstellung (der Männer), wie eine Frau „zu sein hat“, um als Frau zu gelten. Doch aufgrund fehlenden Vorstellungen (bei beiden Geschlechtern), was es heißt, Mensch zu sein, entwickelte sich die Frauenbewegung.
Diese Bewegung begann schon im 12. Jahrhundert[4] und forderte gleiche Rechte für Frauen, wie z.B. Wahlrecht, Recht auf Bildung, Recht auf Privateigentum und Erwerbsarbeit. Die Gleichheit des Menschen stand dabei nicht im Vordergrund, sondern die Gleichheit mit dem Mann. Damit schuf sich die Frauenbewegung eine männlich geprägte Idee des Menschen, statt sich selbst zu definieren.
Nüchtern betrachtet sind Menschen aus biologischer Sicht gleich – beide Geschlechter betreiben Stoffwechsel und leben für eine gewisse Zeit innerhalb eines Gebiets. Dafür haben sie definierbare und geschlechtsspezifische Eigenschaften und Fähigkeiten, worin sie sich unterscheiden. Das heißt, auch Frauen sind Menschen.
Um nun den Bogen zur Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens zu spannen, sollte beachtet werden, dass sich die Forderung nach einer regelmäßigen, staatlich garantierten Geldleistung nicht am Geschlecht orientiert, sondern alleinig am Menschsein innerhalb einer Gesellschaft, die sich mittels eines monetären Tauschsystems organisiert. Eine Genderdiskussion zum
Grundeinkommen erscheint entsprechend den hier vorgestellten Thesen die alte Frage nach der Gleichheit (und damit der Definition) des Menschen aufzuwerfen. Die Werte der französischen Revolution – Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit – sind durch das Grundeinkommen aktueller denn je.
Wir – egal ob Mann oder Frau – sollten deshalb überlegen, welche Vorstellung wir vom Menschen haben und wie sie uns prägt.