|
Immer mehr Menschen sind dauergestresst
Die Kinder quengeln, mit der Gasrechnung stimmt was nicht und die Hausaufgaben sind auch noch nicht fertig: Stephanie Siewert ist berufstätig, alleinerziehend. Den Alltag zu organisieren, ist Stress - und das für immer mehr Menschen in Deutschland.
Sind wir etwa eine verweichlichte Gesellschaft, die durch die einfachsten Entscheidungen regelrecht aus der Fassung gebracht wird?
Das scheint laut dem Ethnologen Professor Wolfgang Kaschuba von der Humboldt Universität Berlin zunächst so, weil frühere Generationen manchmal Überlebensfragen ganz schnell entscheiden mussten. Allerdings haben Menschen heute viele kleine Entscheidungen vor sich - und das in einer Fülle, die überfordert. Wenn wir allein unsere Gesundheit bewältigen wollen, den Alltag der Strasse bewältigen wollen, Erziehungsfragen bewältigen wollen, dann sind wir oft durch die Masse der vielen, kleinen Entscheidungen eben strapaziert und dann überfordert, erklärt er.
Überforderung entsteht durch Arbeitsverdichtung:
Die Menschen müssen jetzt in weniger Zeit mehr leisten als früher und stehen deshalb unter Druck. Krank machende Überforderung erkennt man zum Beispiel daran, dass die Muskeln dauerverspannt sind und man nicht mehr richtig durchatmet. Sagt auch Stressexpertin und Diplompsychologin Gabriele Bringer: "Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie sich nicht mehr richtig erholen, dass sie nach einer anstrengenden Woche ins Wochenende gehen und am Montag das gleiche Gefühl haben wie am Freitag, dann sind sie möglicherweise dauergestresst."
Gabriele Bringer rät in diesem Fall: "Eine gute Lebensstrategie für so eine Situation ist es, sich eben fünf auszusuchen und es dabei zu belassen, zu entscheiden und dann aber nicht zu denken, ein sechstes wäre noch wichtig gewesen. Dem Angebotswahn trotzen, wenn alles zuviel wird - darauf setzen immer mehr Ratgeber. Auf Preisvergleichs und Schnäppchenjagd verzichten gemäß dem Motto: "Weniger ist manchmal mehr - zum Beispiel Zufriedenheit und Gesundheit".
Mit keinem Wort wurde ein BGE erwähnt. Es ist ja auch keine Lösung für alle Lebensfragen.
Doch die Erkenntnis, dass Überforderung durch Arbeitsverdichtung entsteht, sollte zu denken geben. Entdichten wir die Arbeit, z.B. durch ein BGE.
Wie sagt Gabriele Bringer: "Weniger ist manchmal mehr - zum Beispiel Zufriedenheit und Gesundheit.“
Quelle: ZDF-Morgenmagazin
|