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Unser Umgang mit den Spielzeugen der Marktwirtschaft ist quasi pubertär
Das Schweizer Portal "für Arbeitsmarkt und Beschäftigung" DER ARBEITSMARKT: Der St. Galler Wirtschaftsethiker Peter Ulrich tritt per Ende Semester in den Ruhestand. Ein Interview über den Wert der Arbeit, die Herrschaft des Marktes und die Zukunft der Arbeitergesellschaft.
Hier ein paar Auszüge des lesenwerten Beitrag:
Herr Ulrich, warum arbeitet der Mensch überhaupt?
Peter Ulrich: Die meisten Menschen arbeiten aus drei Gründen: Wir leben in einem arbeitsteiligen Wirtschaftssystem, in dem wir Kaufkraft verdienen müssen, um die lebensnotwendigen Güter erwerben zu können. Das ist die Einkommensfunktion [...]
Was aber rationalisiert wird, ist einzig die Zeit, die zur Erzeugung eines bestimmten Outputs benötigt wird. Dafür wird der Einsatz der menschlichen Arbeitszeit technologisch substituiert, heute durch Roboterisierung und Computerisierung. Diese Produktivitätssteigerung muss durch Mengenwachstum kompensiert werden, um die sogenannte Vollbeschäftigung aufrechterhalten zu können. [...]
Die Rationalisierung der Arbeit muss irgendwann wieder als Mittel für Zwecke verstanden werden, die ausserhalb der ökonomischen Logik liegen.
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Hat das Wirtschaftssystem die Herrschaft über uns übernommen?
Das könnte man so sagen. Wir erfahren das fast täglich in der symptomatischen Rhetorik von Wirtschaftsführern und Politikern, wenn sie von «Sachzwängen» reden.
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Das Wachstumsmodell hat uns allen Wohlstand und soziale Sicherheit gebracht. Warum sollten wir uns von ihm abwenden?
Wenn Wirtschaftswachstum die soziale Frage tatsächlich lösen könnte, müssten angesichts der unglaublichen Steigerung der materiellen Güterproduktion und des Wohlstands die sozialen Probleme längst gelöst sein. In Wirklichkeit haben wir die soziale Frage nur immer wieder «modernisiert».
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Sie fordern eine Umkehrung der Wertordnung?
So ist es. Manche eindimensional denkenden Wirtschaftspolitiker und Ökonomen möchten die Vitalpolitik am liebsten gänzlich der Effizienzpolitik unterordnen, aber es kommt ihnen die Realpolitik in die Quere, die den sozialstaatlichen Ausgleich verlangt.
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Auch dieses Konzept erinnert an den Sozialismus.
Im Gegenteil! Die Idee eines bedingungslosen Sockeleinkommens [Anm. Bedingungsloses Grundeinkommen] ist nicht sozialistisch oder kollektivistisch, sondern urliberal. Im Liberalismus soll der Tüchtige belohnt werden, der aufgrund eigener, persönlicher Leistung erfolgreich ist. Das Leistungsprinzip soll also die Unterschiede in den Einkommen begründen. De facto ist es aber so, dass in den sich liberal nennenden Gesellschaften noch immer teilweise das Feudalprinzip herrscht: Wer das Glück hat, in eine wohlhabende Familie hineingeboren zu werden, hat deutlich bessere Lebenschancen, ohne dass sich dies mit dem Leistungsprinzip begründen liesse. Das ist nicht fair. Die Idee eines bedingungslosen Sockeleinkommens ist begründbar als ein bescheidener Beitrag für jede Generation, einen gewissen Chancenausgleich herzustellen.
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