|
Profil.at, das unabhängige Nachrichtenmagazin, bringt ein neues Interview mit Götz W. Werner.
Auch Werner redet, ähnlich unseren Spitzenpolitikern, den "Volkeszorn" klein:
profil: Ihre Mitte verloren hat die Bundesrepublik Deutschland. Die Wirtschaftsleistung bricht ein, die Arbeitslosigkeit steigt. Politiker warnen vor sozialen Unruhen. Es herrscht Endzeitstimmung.
Werner: Wir haben ein Mentalitätsproblem. In Deutschland gehen wir manchmal ernster an die Dinge heran, als es notwendig ist. Natürlich ist die Situation ernst, aber oft lassen wir uns von tatsächlich vorhandenen Problemen zu sehr beeindrucken und sind pessimistischer als notwendig. Dabei bestehen reale Werte: die Unternehmen, die Güter, die Dienstleistungen. Bei uns wird alles sehr gründlich gemacht, auch beim Sich-Sorgen-Machen.
Werner: Das ist genau das Problem. Wir definieren Arbeit falsch. Wenn sich eine Mutter oder ein Vater um die Kinder kümmert, ist das auch Arbeit. Laut Statistik werden in Deutschland 60 Milliarden Arbeitsstunden pro Jahr bezahlt geleistet, aber 90 Milliarden unbezahlt. Unbezahlt wird nur jemand arbeiten, der in seiner Tätigkeit Sinn sieht. Und weil er ein Einkommen aus anderen Quellen, etwa aus einem Grundeinkommen, bezieht. Man muss Arbeit und Einkommen entkoppeln. Früher hatten wir die Idiotie, dass man Leute in ein Bergwerk schickt, um Kohle zu fördern, die keiner kauft. Nur damit die Bergarbeiter ein Einkommen hatten. Heute lassen wir Autos zusammenbauen, die keiner kaufen will. Das ist Ressourcenvergeudung. Nach diesem Modell wäre es ja am klügsten, neue Autos wieder zu zerlegen und dann wieder zusammenzubauen, nur um künstlich Arbeit zu schaffen. Erwerbsarbeitsdenken ist eine beschäftigungstherapeutische Veranstaltung.
Auch wenn nicht alles neu ist, was Werner bei diesem Interview äußert, z.B. "Es geht immer um die Menschen. Auch beim Wirtschaften. Wenn ich tätig werde, orientiere ich mich nur am Menschen. Das ist Anthroposophie", so ist dieses Interview auch für "Werner-Kenner" lesenswert, denn es hat z.T. hochaktuellen Bezug.
|