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In jovialer Mission... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Jörg Drescher    Bookmark and Share
Freitag, 1. 05 2009

Viele, die von dem „Projekt Jovialismus“ gehört haben, fragen sich vielleicht, was es damit auf sich hat und was das Ziel davon ist. In der Mailing-Liste „Genug für alle“ von Attac hieß es einmal, dass ein „Ismus“ doch wieder nur eine Ideologie sei, die ausgrenzen würde, wenn man sich ihr nicht „unterwirft“. Herr Wilkens vom Netzwerk Grundeinkommen meinte gar in einem Kommentar, diesem Projekt würde es um Mitstreiter gehen.[1]

Die Überschrift zu diesem Artikel macht es nicht einfacher, wenn man Mission nicht als „Auftrag“ versteht, sondern als „Missionierung“. Tatsächlich kann man bei der Grundeinkommensbewegung das Gefühl bekommen, es handle sich um eine neue „missionierende Religion“, deren „frohe Botschaft“ lautet:

Wohlstand (durch monetäre Umverteilung) für alle!

Dabei sieht sich das „Projekt Jovialismus“ vielmehr in der Tradition der Aufklärung, die besonders durch das Bestreben geprägt war, das Denken mit den Mitteln der Vernunft von althergebrachten, starren und überholten Vorstellungen, Vorurteilen und Ideologien zu befreien und Akzeptanz für neu erlangtes Wissen zu schaffen. Dabei steht das „Wohl“ („wohlwollend“ ist die ursprünglichen Bedeutung des Worts „jovial“) im Zentrum – politisch und religiös unabhängig. Eigentlich kann man diesen Gedanken in allen Religionen und Ideologien als kleinsten gemeinsamen Nenner finden.

Entsprechend ist die „joviale Mission“ nicht als Missionierung zu verstehen, bei der andere von einer Idee überzeugt werden sollen. Vielmehr bedeutet sie, Bedingungen zu schaffen, unter denen jeder seine eigene Vorstellung vom Wohl verwirklichen können soll, solange er dabei niemandem schadet und möglichst allen damit nutzt.

Dieses Ziel findet sich in Präambeln von Staatsverfassungen,[2] Willensbekundungen von Staatsoberhäuptern durch Amtseide[3], bis hin zur UN-Charta[4]. Man kann die „joviale Mission“ in folgender Selbstverpflichtung zusammenfassen:

Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle der Menschheit widmen, ihren Nutzen mehren, Schaden von ihr wenden und Gerechtigkeit im Sinne der allgemeinen Menschenrechte gegen jedermann üben werde.

Die Menschheit wird dabei als große Familie aufgefasst, bei der es selbst dem schwächsten Mitglied möglich sein soll, wie in einer intakten Familie, vor Gefahren zu warnen.

Leider scheinen dies manche Staatsoberhäupter mit ihrer Wohlvorstellung nicht so zu sehen. Vielmehr verfolgen sie Ideen, die zum Schaden aller führen können. So wollen Regierungen – offenbar um jeden Preis, und sei es unter Gefährdung der verfassungsmäßigen sozialen Grundordnung – wie beim letzten G20-Treffen in London verlautet wurde, Milliarden ausgeben, um die Wirtschaft „anzukurbeln“.[5] Dies, weil positive Wachstumszahlen nach gängigem Verständnis als Garant für Einkommensarbeitsplätze stehen. Dabei ist spätestens seit den Studien des „Club of Rome“ von 1972 und 2004 bekannt, dass es Grenzen des Wachstums gibt.[6]

Durch das Eingehen schon beschlossener und geplanter Verpflichtungen wird der Versuch unternommen, Bedingungen zu schaffen, um die Maxime „Sozial ist, was Arbeit schafft“ zu erfüllen. Frau Merkel betonte am 29.10.2007 in der ZDF-Sendung "Berlin direkt", dass alles Handeln diesem Ziel unterzuordnen sei.[7]

Man darf Frau Merkel allerdings keinen Vorwurf machen, denn schließlich versucht sie Bedingungen zu schaffen, um ihre Vorstellungen vom „Wohl“ umzusetzen. Ob sie sich der Gefahr bewusst ist, Deutschland mit den geplanten Ausgaben so hoch zu verschulden, dass ein dem Grundgesetz angemessener Sozialstaat nicht mehr aufrecht zu erhalten ist, sei dahingestellt. Ganz zu schweigen von der Gefahr, die verfassungsmäßig geschützte natürliche Lebensgrundlage für zukünftige Generationen zu zerstören.

Tatsächlich wird die Idee eines (monetären) Bedingungslosen Grundeinkommens längst als Alternative diskutiert. Allerdings scheiden sich bei der konkreten Ausgestaltung die Geister. Zwar wurden die Kriterien für die Ausbezahlung festgelegt, doch fehlt es bisher an Vorgaben auf der Finanzierungsseite.

Hier könnte die Maxime des „Projekts Jovialismus“ helfen, indem geprüft wird, ob die Finanzierung dem Wohl der Menschheit dient, Schaden abgewendet, der Nutzen gemehrt und die allgemeine Erklärung der Menschenrechte eingehalten wird.

Entsprechend besteht die „joviale Mission“ darin, bestehende und zukünftige Rahmenbedingungen auf diese Kriterien zu untersuchen.


   
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