Grundeinkommen hin oder her - was die wenigsten Leute wissen: Die Finanzkrise steckt eigentlich erst in den Kinderschuhen. Kein Zweifel, dass die Realwirtschaft derzeit darunter leidet. Allerdings gibt es eine weitere Zeitbombe im Finanzsektor, wovon man schon seit Jahren weiß und spricht: Derivate.
Zuerst: Was sind überhaupt Derivate?
Im Prinzip sind es Verträge, die das Recht garantieren, etwas zu einem Fixpreis zu kaufen oder verkaufen. Damit wird im Prinzip mit Rechten gehandelt, die nicht
eingelöst werden müssen. Die Preisbildung hängt von einem sogenannten
„Underlying“ oder Bezugswert ab. Dabei kann es sich um Aktien, Rohstoffe,
Devisen oder Anleihen handeln, aber auch um Zinssätze oder Indize. Prinzipiell
könnte man auch eine Temperaturkurve in einem bestimmten Gebiet oder wöchentliche Wahlprognosen für Parteien als Bezugswert
nehmen.
Die grundsätzliche Idee solcher Derivate war die Absicherung
gegen Risiken („Hedging“) für einen relativ geringen Kapitaleinsatz. Allerdings
haben Derivate durch die Konstruktion einen Hebeleffekt mit dem man
entsprechend überproportional an der Kursentwicklung Gewinne (und Verluste)
machen kann. Dabei ist es möglich, auch bei fallenden Kursen Gewinne zu machen
(z.B. Put-Optionen, Short-Zertifikate...). Der Handel mit Derivaten wurde zum
Spekulationsgeschäft – einfacher ausgedrückt: reine Wetten.
Heute hat fast jede Bank Derivate im Angebot, weil der
Handel damit seit 1986 stark zugenommen hat. Es ist ein lukratives Geschäft für
die Bank. Allerdings sind die Bedingungen manchmal sehr undurchsichtig. Es gibt
sogar Derivat-Sparpläne, die den konservativen Aktienfonds Konkurrenz machen.
Nun ist es allerdings so, dass manche Derivate Geld durch
Werte entstehen lassen, die es in der Realität gar nicht gibt. Das kommt der
Idee gleich, ein Derivat auf die Temperatur zu konstruieren.
Folgendes Bild zeigt, auf welcher Zeitbombe wir eigentlich
sitzen:
Vladimir Putin, der Premierminister der Russischen
Föderation, sprach dies am 28. Januar 2009 in Davos mit folgenden Worten an:
Faktisch bedeutet
unser Vorschlag, dass die Reform des Prüfungs-, Abrechnungs- und Ratingsystems
auf einer Rückkehr zum Konzept des grundlegenden Buchwertes basieren muss. Mit
anderen Worten: Die Bewertung eines jeden einzelnen Unternehmens muss auf
seiner Fähigkeit, Wertschöpfung zu generieren, beruhen anstatt auf subjektiven
Konzepten. Unserer Meinung nach muss die Wirtschaft der Zukunft eine Wirtschaft
realer Werte werden. Wie das erreicht werden soll, ist nicht so eindeutig. Ich
habe keine explizite Antwort darauf – lassen Sie uns gemeinsam darüber
nachdenken. (Schließlich sind Foren wie dieses hier dank Herrn Schwab dazu einberufen
worden.)[1]