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Droht erst noch der finanzielle Super-GAU? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Jörg Drescher    Bookmark and Share
Mittwoch, 15. 04 2009

Grundeinkommen hin oder her - was die wenigsten Leute wissen: Die Finanzkrise steckt eigentlich erst in den Kinderschuhen. Kein Zweifel, dass die Realwirtschaft derzeit darunter leidet. Allerdings gibt es eine weitere Zeitbombe im Finanzsektor, wovon man schon seit Jahren weiß und spricht: Derivate.

Zuerst: Was sind überhaupt Derivate?

Im Prinzip sind es Verträge, die das Recht garantieren, etwas zu einem Fixpreis zu kaufen oder verkaufen. Damit wird im Prinzip mit Rechten gehandelt, die nicht eingelöst werden müssen. Die Preisbildung hängt von einem sogenannten „Underlying“ oder Bezugswert ab. Dabei kann es sich um Aktien, Rohstoffe, Devisen oder Anleihen handeln, aber auch um Zinssätze oder Indize. Prinzipiell könnte man auch eine Temperaturkurve  in einem bestimmten Gebiet oder wöchentliche Wahlprognosen für Parteien als Bezugswert nehmen.

Die grundsätzliche Idee solcher Derivate war die Absicherung gegen Risiken („Hedging“) für einen relativ geringen Kapitaleinsatz. Allerdings haben Derivate durch die Konstruktion einen Hebeleffekt mit dem man entsprechend überproportional an der Kursentwicklung Gewinne (und Verluste) machen kann. Dabei ist es möglich, auch bei fallenden Kursen Gewinne zu machen (z.B. Put-Optionen, Short-Zertifikate...). Der Handel mit Derivaten wurde zum Spekulationsgeschäft – einfacher ausgedrückt: reine Wetten.

Heute hat fast jede Bank Derivate im Angebot, weil der Handel damit seit 1986 stark zugenommen hat. Es ist ein lukratives Geschäft für die Bank. Allerdings sind die Bedingungen manchmal sehr undurchsichtig. Es gibt sogar Derivat-Sparpläne, die den konservativen Aktienfonds Konkurrenz machen.

Nun ist es allerdings so, dass manche Derivate Geld durch Werte entstehen lassen, die es in der Realität gar nicht gibt. Das kommt der Idee gleich, ein Derivat auf die Temperatur zu konstruieren.

Folgendes Bild zeigt, auf welcher Zeitbombe wir eigentlich sitzen:

Timebomb

Vladimir Putin, der Premierminister der Russischen Föderation, sprach dies am 28. Januar 2009 in Davos mit folgenden Worten an:

Faktisch bedeutet unser Vorschlag, dass die Reform des Prüfungs-, Abrechnungs- und Ratingsystems auf einer Rückkehr zum Konzept des grundlegenden Buchwertes basieren muss. Mit anderen Worten: Die Bewertung eines jeden einzelnen Unternehmens muss auf seiner Fähigkeit, Wertschöpfung zu generieren, beruhen anstatt auf subjektiven Konzepten. Unserer Meinung nach muss die Wirtschaft der Zukunft eine Wirtschaft realer Werte werden. Wie das erreicht werden soll, ist nicht so eindeutig. Ich habe keine explizite Antwort darauf – lassen Sie uns gemeinsam darüber nachdenken. (Schließlich sind Foren wie dieses hier dank Herrn Schwab dazu einberufen worden.)[1]



[1] Rede von Putin in Davos

 

  

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