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Die Idee eines Grundeinkommens ist für viele Menschen immer noch das
gleiche Gespenst, wie es einst der Kommunismus war. Während der
Kommunismus vielen Besitzern Angst machte, dass sie enteignet würden
und Armen die Hoffnung gab, endlich auf einer Stufe mit den Besitzenden
zu stehen, hält die Idee des Grundeinkommens daran fest, dass jedem
Eigentum zusteht. Vielmehr soll sie jedem die Möglichkeit geben, Besitz
zu erlangen.
Im Gegensatz zum bisher gebräuchlichen
Versicherungssystem, das im Bedarfsfall Hilfe leistet, kehrt die
Grundeinkommensidee dieses System um, damit es nicht zum Bedarfsfall
kommt.
Die Frage, weshalb jeder eine regelmäßige Zahlung
erhalten soll, lässt sich auf vielfache Weise beantworten. Grundlegend
ist allerdings, dass in einer arbeitsteiligen Gesellschaft, die ein
Tauschsystem mittels Geld organisiert, Geld zum Leben notwendig ist.
Argumente, die besagen, dass mit einem Grundeinkommen niemand mehr arbeiten würde und die Produktion von Waren zum Stillstand käme, gehen von einem Menschen aus, der einzig konsumieren will. Arbeit ist allerdings weiterhin notwendig, damit Waren zum Konsum produziert werden. Die Frage ist nur, wie wir (bezahlte) Arbeit definieren. [1]
Matthias Dilthey sagte einmal zu mir, dass es relativ einfach sei, ein Grundeinkommen zu finanzieren; weitaus schwieriger sei die gerechte Verteilung[2] und wie sich diese auswirkt.
Die Höhe eines Grundeinkommens spielt für die Arbeitsmoral eine wesentliche Rolle – es sollte nicht zu wenig sein (es sollte zum Leben reichen), aber auch nicht zu viel, damit die Zugverdienstmöglichkeiten der von der Wirtschaft benötigten und bezahlten menschlichen Arbeitskraft genutzt werden.[3] Menschliche Arbeit ist weiterhin notwendig.
Firmen kann daran gelegen sein, dass Menschen genügend (Geld)Mittel zur Verfügung haben, um die von ihnen produzierten Waren zu kaufen.[4] Existenzsorgen entfallen, wenn der Lebensunterhalt gesichert ist, und somit kann sich ein Mitarbeiter besser und motivierter auf die zu leistende Arbeit konzentrieren.
In meinen Augen entspricht es meiner Vorstellung einer „jovialen Gesellschaft“[5]: jeder soll durch alle profitieren, aber auch seinen Teil dazu beitragen. Dies wird durch die Notwendigkeit des Konsums und dessen Besteuerung erfüllt.
Natürlich gibt es auch Aspekte, die gegen diese Idee sprechen. Sie kommen hauptsächlich aus der Politik und hängen damit zusammen, wie die befreiten Menschen regiert werden können.
Andere Aspekte berühren die unvorhersehbaren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Änderungen im (Arbeits-)verhalten. Mit Sicherheit werden Arbeiten weniger, die heute getan werden, weil Menschen dazu (wirtschaftlich) gezwungen sind (z.B. Prostitution). Arbeiten, die niemand machen will, werden teuerer, um mehr Anreize zu geben, damit diese (notwendigen) Arbeiten erledigt werden. Dieser Aufsatz wird zeigen, dass sich dies auch auf die Preise auswirkt.
Weiter besteht die Frage, ob es möglich ist, dass ein Land ein Grundeinkommen im Alleingang einführen kann, denn dieses Land wird für viele Menschen wie ein Magnet wirken, die von einem leistungslosen Einkommen leben wollen.
Als Schlussfolgerung komme ich zu dem Ergebnis, dass ein Grundeinkommen vom wirtschaftlichen Standpunkt aus bezahlbar ist, wenn es gewollt wäre. Meiner Meinung nach hängen die genannten Argumente gegen ein Grundeinkommen mit der Angst vor Freiheit, dem Misstrauen gegenüber Menschen und Vorurteilen zusammen.
Die Idee ist dabei weder kommunistisch, noch kapitalistisch – aber Vertreter beider Richtungen versuchen, die Idee für sich zu beanspruchen.
Das Hauptproblem eines Grundeinkommens ist weder Finanzierung, noch politische Beherrschbarkeit. Vielmehr besteht die Frage: Sind wir bereit und haben wir die Möglichkeit, die Notwendigkeit einzusehen, zu arbeiten, zu wählen, zu entscheiden und ... zu leben?
Die Antwort darauf gibt eher Auskunft über die Reife eines Menschen, als über etwas anderes. Deshalb ist die Diskussion eines Grundeinkommens gleichfalls eine Diskussion über die Emanzipation der Menschheit.
Es ist Zeit für eine „neue Aufklärung“[6] und dieser Aufsatz soll helfen, die wirtschaftlichen Zusammenhänge bei der Produktion von Waren und den jeweiligen Modellansätzen zu erklären.
Der gesamte Vortragstext als PDF mit folgendem Inhalt:
Inhalt
- Vorwort
- Einleitung
- Wertschöpfung
- Produktionskosten
- Steuern
- Das Versicherungsprinzip
- Grundeinkommen durch Einkommensbesteuerung
- Die Werner’sche Konsumsteuer
- Dilthey und die Sozialumsatzsteuer
- Andere Ideen zur Finanzierung eines Grundeinkommens
[1] Essay über die Arbeit (von Matthias Dilthey), Seite 21
[2] Modellvergleich, Seite 12
[3] Der Urey-Effekt beim Grundeinkommen in „Auslegung und Begründung des Dilthey-Modells”, Seite 8
[4] Henry Ford versuchte schon Mitte des 20. Jhd. durch höhere Löhne die Kaufkraft seiner Arbeiter zu steigern.
[5] Wirtschaftsordnung im Jovialismus (Seite 32):
Die Forderung einer jovialen Wirtschaftsordnung sieht vor, dass jeder Mensch ein Auskommen hat. Der Staat soll in diesem Fall eine gerechte Verteilerrolle einnehmen, um jedem Menschen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglicht.
Dafür werden Rahmenbedingungen für die Wirtschafts- und Steuerpolitik gefordert. Einerseits soll die Versorgung der Menschen mit Gütern und Dienstleistungen gesichert sein und andererseits sollen Menschen diese Güter und Dienstleistungen konsumieren können.
[6] vgl. Projekt Jovialismus
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