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Günter Sölken contra Bertrand Russell PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Jörg Drescher    Bookmark and Share
Samstag, 7. 02 2009

Ende Oktober 2008 fragte ich Günter Sölken, damals noch Sprecher des deutschen Netzwerk Grundeinkommens, um ein Statement über seine Sicht der Zukunft für das Journal „SMI²LE “. Er antwortete mir am 19.11.2008. In seinem Kommentar heißt es:

[...] es darf nicht sein, dass das Kapital wichtiger wird als die Menschen und die Demokratie. Das ist so, als würde wir heute behaupten, dass sich ab morgen die Sonne um die Erde dreht. Gott sei dank wissen wir, dass dies nicht der Fall ist und keine Manipulationskampagne der Welt würde uns davon überzeugen können [...]

Gestern bekam ich ein Feedback zu dieser Stelle des Kommentars. Darin wurde Bertrand Russell aus seinen „Unpopulären Betrachtungen“ zitiert:

Ich persönlich bin der Überzeugung, dass es keinen Unsinn gibt, den eine Regierung ihren Untertanen nicht einreden könnte. Man stelle mir eine angemessene Armee zur Verfügung und gebe mir die Möglichkeit, sie so zu bezahlen und zu ernähren, dass ihr Los sich von dem des Durchschnittsbürgers angenehm unterscheidet – und ich mache mich anheischig, die Mehrzahl der Bevölkerung innerhalb von 30 Jahren davon zu überzeugen, dass zwei und zwei drei ist, dass Wasser gefriert, wenn man es erhitzt, und kocht, wenn es sich abkühlt, und dergleichen Unsinn mehr. Selbstverständlich würden die Leute trotz dieser neuen Erkenntnisse den Teekessel nicht in den Eisschrank stellen, wenn sie kochendes Wasser brauchen. Dass Wasser durch Kälte zum Kochen gebracht wird, würde eine Sonntagswahrheit bleiben, etwas Heiliges und Mystisches, das nur in ehrfurchtsvollem Ton erwähnt werden dürfte, im praktischen Leben aber keine Anwendung fände. Wer sich einfallen ließe, die mystische Doktrin mit dreisten Worten zu verleumden, würde sich damit außerhalb des Gesetzes stellen und hätte als Ketzer den „Kältetod“ auf dem Scheiterhaufen zu erwarten. Alle, die dem neuen Staatsglauben nicht begeistert zustimmten, müssten aus dem Lehramt oder anderen wichtigen Staatsstellungen entfernt werden. Nur den höchsten Würdenträgern dürfte es gestattet sein, in leicht angetrunkenem Zustand einander zuzuflüstern, welch haarsträubender Unfug das Ganze sei; sie würden dann lachen und weitertrinken.

Ob sich die Erde um die Sonne dreht, oder die Sonne um die Erde, hängt im ersten Augenblick vom Standpunkt des Betrachters ab. Von der Erde aus gesehen, dreht sich die Sonne um die Erde – anders von der Sonne aus gesehen.

Das von Russell angesprochene Problem ist nicht die Manipulationskampagne, sondern der Wille eines Einzelnen, seinen Standpunkt anderen mit allen Mitteln aufzudrängen. So kann sich auch die Erde wieder um die Sonne drehen...

Nicht umsonst forderte Timothy Leary, auf den das Akronym SMI²LE zurückgeht:

1.    Du sollst das Bewusstsein deines Nächsten nicht verändern.
2.    Du sollst deinen Nächsten nicht daran hindern, sein oder ihr Bewusstsein zu verändern.

Diese Sätze beziehen sich auch auf die Manipulation durch Massenmedien, Politiker und Gruppenzwang.

 

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