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Schon in meiner Schulzeit, in der 8. oder 9. Klasse, musste ich als pubertierender Jugendlicher die Erfahrung machen, was es mit Demokratie auf sich hat: Es gab in unserer Klasse irgendein Problem (welches, weiß ich nicht mehr) und unsere "demokratisch gewählten" Klassensprecher kümmerten sich nicht darum. Ich ging also zum Rektor, um mich um eine Lösung zu bemühen. Dieser meinte allerdings, ich hätte kein Recht, mich vom Unterricht zu entfernen, denn eine Meldung sei die Pflicht der Klassensprecher. Kurz: ich hatte kein Recht auf Pflicht - dafür waren andere zuständig.
In den 1990ern diskutierte man in den Kreisen, in denen ich mich bewegte, immer wieder das Problem der Macht. Wir waren "Anarchisten", die jegliche Herrschaft von Menschen über Menschen - und damit Macht - ablehnten. In einem Buch las ich über das Verhalten in der Tierwelt und dass es sehr wohl Machtverhältnisse geben kann. Entsprechend interessierte ich mich dafür, was "Macht" ist. Heraus kam eine Aufsatzanalyse über Macht.
Dies war die Geburt der Idee des jovialen Naturrechts - das Recht auf Pflicht. In dem Aufsatz schrieb ich damals:
Die Angst vor Machtmissbrauch ist auf der persönlichen Ebene genauso angebracht wie auf der politischen und der globalen Ebene. Seit Jahrzehnten kritisieren viele von uns die Menschen, die Machtpositionen innehaben. Wir haben die "etablierten Kräfte" herausgefordert, und wir haben auch wiederholt erlebt, dass politische und religiöse Führerpersönlichkeiten von fragwürdiger Integrität ihr Amt niederlegen und zurücktreten mussten. Wir sträuben uns jedoch, selbst solche Machtpositionen einzunehmen. Wir weigern uns, Führungsrollen zu übernehmen, als würden wir fürchten, das Verhalten jener zu wiederholen, die wir kritisieren. Wir fürchten, selbst korrumpiert oder von anderen als bedrohlich empfunden zu werden. Ich bin der Meinung, dass es sinnlos ist, Mächtige zu kritisieren, solange wir nicht bereit sind, selbst die Verantwortung der Macht zu tragen und Führungs- und Managementaufgaben zu übernehmen. Macht nicht zu gebrauchen ist auch schon eine Form von Machtmissbrauch. Es ist weder gut für den Körper, noch trägt es dazu bei, die Welt zu verändern. Bevor wir nicht die Macht in Besitz nehmen, die unser angestammtes Recht ist, werden wir durch andere bedroht werden, die Macht haben. Bevor wir nicht lernen, Macht auf angemessene Weise zu gebrauchen wird man uns als potentiell bedrohlich ansehen.
1997 kam es dazu, dass ich die Zustände auf der Welt nicht mehr akzeptieren wollte und versuchte, mir mein "Recht auf Pflicht" durch eine Bombendrohung zu nehmen. Das Ende vom Lied war, dass man mir Wahnsinn unterstellte, wie ein Zeitungsbericht von damals zeigt:
Psychisch Kranker drohte mit Bombe
Für die Bombendrohung mit anschließender Räumung des Bahnhofs ist ein offenbar psychisch kranker Mann verantwortlich. Wie in der Samstagsausgabe berichtet, war nach einem Drohbrief ein bombenähnliches Gebilde in einem Schließfach des Bahnhofs entdeckt worden. Nach Feststellungen des Landeskriminalamtes hätte der Zündmechanismus jedoch nicht funktioniert. Der 23 Jahre alte mutmaßliche Täter wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen.[07.05.1997]
Natürlich sollte die Bombe nicht funktionieren, denn mir lag nicht daran, Menschenleben zu gefährden - das stand auch im "Bekennerschreiben". Ich dachte fast 2 Jahre lang in der Psychiatrie und noch lange danach darüber nach, ob es richtig ist, sein "Recht auf Pflicht" wahrzunehmen und auf welche Weise man dies tun darf. Erst 2005 verarbeitete ich diese Geschichte in meinem Buch Iovialis - Geständnis eines Terroristen und stelle mir heute immer noch die Frage:
Macht Wahn Sinn?
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