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Trotz organisatorischer Missverständnisse, die dazu führten, dass mein geplanter Workshop ausfiel (mir wurde gesagt, mein Workshop würde nachmittags stattfinden und wurde dann kurzfristig auf den Vormittag verlegt. Dies erfuhr ich zu spät), möchte ich einen subjektiven Bericht über den Berliner Kongress abgeben:
Für mich begann der Kongress am Freitag bei der Pressekonferenz, die
im Bundespresseamt, Presse- und Besucherzentrum stattfand. Dabei gefiel
mir hauptsächlich folgende Aussage von Yannick Vanderborght (BIEN,
Basic Income Earth Network): Statt NGOs finanziell zu unterstützen,
wäre es sinnvoller, das Geld dafür zu nutzen, um Menschen ein
Grundeinkommen zu zahlen und ihre Selbständigkeit auszubauen (vgl.
auch: Helfen, um der Arbeit Willen).
Da die Idee eines Grundeinkommens global zu denken ist (was auf dem Kongress immer wieder im Mittelpunkt stand), fragte ich im Podium mit Herrn Dr. Füllsack
nach den Problemen der Migration (würde z.B. in der Europäischen Union
ein BGE eingeführt, würde das den Migrationsdruck auf Europa enorm
erhöhen). Die Antwort lautete, dass es Studien in den USA an der
mexikanischen Grenze gibt, die belegen, dass die Finanzierung der
Grenzsicherung besser zum Ausbau der Wirtschaft in den Grenzbezirken
des Migrationslandes verwendet werden könnten, um dadurch den
Migrationsgrund zu reduzieren.
Die parallel stattgefundene
Podiumsdiskussion über Frauen missfiel mir, da ich der Meinung bin, das
BGE sei für Menschen und eine Unterscheidung zwischen "Menschen" und
"Menschinnen" sei künstlich und würde erst den Genderkonflikt
herbeiführen. Dabei möchte ich nicht behaupten, die Frauenfrage unter
den Tisch zu kehren. Trotzdem ist eine "Sonderbehandlung" dieser Frage
(aus meiner Sicht) etwas übertrieben.
Am Sonntag, als die Kollegen aus Namibia und Sambia zu Wort kamen, gefiel mir der Vortrag von Corinna Milborn
sehr gut. Bei dieser Podiumsdiskussion wurde mir allerdings auch klar,
dass das Grundeinkommen den Kapitalismus und die Bemessung in Geld
verstärkt. Hierbei ist mir der Ansatz von Werner Rätz sympatisch, der
von einem "nichtmonetären Grundeinkommen" spricht. Ein Beispiel könnte
das Projekt "Tools for self-reliance
" sein, das ich seit 1997 kenne (TFSR sammelt in Großbritannien alte
Werkzeuge, um sie zu reparieren und nach Afrika zu senden. Dort wird
Menschen gezeigt, wie sie die Werkzeuge nutzen, um sich selbst zu
versorgen. Prinzip: "Hilfe zur Selbsthilfe"). Leider kam ich nicht mehr
zu Wort, um etwas in einem Redebeitrag zu sagen.
Später hatte ich
allerdings noch Gelegenheit, mit Frau Milborn zu sprechen. Sie sah die
Gefahr von solchen Projekten (wie TFSR) darin, dass "unser Müll"
kostengünstig "entsorgt" würde. Diese Angst ist (meiner Meinung nach)
berechtigt, wenn nicht darauf geachtet wird, welche Dinge versandt
werden.
Mein Gespräch mit Engelhardt Unaeb
machte mir deutlich, wie wichtig das Projekt in Namibia ist: einerseits
zeigt es die (positiven) Auswirkungen und widerlegt andererseits
(negative) Erwartungen. Das Projekt ist allerdings nur auf zwei Jahre
angelegt und noch ist unklar, wie es danach weitergehen wird.
Insgesamt
kann ich sagen, dass es sehr viele interessante und anregende Gespräche
gab. Dieser persönliche Austausch machte den Kongress für mich zu einer
wichtigen Erfahrung.
Berlin, 27.10.2008, Jörg Drescher
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