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5. Internationales Symposium für Bioethik PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Jörg Drescher    Bookmark and Share
Donnerstag, 9. 10 2008

Am 09.10.2008, fand das 5. internationale Symposium für Bioethik in Kiew/Ukraine statt, zu dem ich als Sprecher eingeladen war, um einen Kurzvortrag über das Thema "Persönliche Freiheit: wirtschaftliche und moralische Aspekte" zu halten. Ich nutzte dabei die Möglichkeit, um auf das Grundeinkommen einzugehen. Im folgenden der Vortragstext (auf deutsch).

Gerade vor dem Hintergrund der globalen Finanzkrise, möchte ich auf die wirtschaftlichen und moralischen Aspekte der persönlichen Freiheit eingehen.

Körperliches, geistiges, psychisches und soziales Wohlbefinden hängt mit den Begriffen Sicherheit und Freiheit zusammen. Sicherheit reduziert die Angst vor dem Verlust von Freiheit, wobei heute Freiheit eng mit finanziellen Möglichkeiten verbunden ist.

Die globale Finanzkrise mit der drohenden wirtschaftlichen Rezession oder gar Depression erzeugt zur Zeit die Angst, sein Erspartes und seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Es gibt Gerüchte, dass sich wieder Menschen aus diesen Gründen umbringen, wie es bei der letzten Weltwirtschaftskrise in den 1930ern passierte.

Diese Angst ist allerdings nicht ein Problem der Wirtschaft, sondern der Gesellschaft. Wer Verwandte oder Freunde hat, die ihm in einer (finanziellen) Notlage helfen, wird weniger betroffen sein. Warum kann die Gesellschaft nicht helfen?

Ist es moralisch vertretbar, Menschen durch die finanzielle Abhängigkeit mit dieser Angst leben zu lassen?

Ich meine Nein!

Unsere Gesellschaft hat es durch Rationalisierung und steigende Produktivität geschafft, dass prinzipiell genug für alle da ist. Heute gilt allerdings, dass nur jene etwas davon bekommen, die sich daran beteiligen, etwas zu produzieren. Einkommen ist an Arbeit gekoppelt.

Doch stellt sich dabei die Frage, was Arbeit bedeutet. Arbeitet etwa eine Frau nicht, die sich um den Haushalt und die Kinder kümmert? Im Regelfall hat sie kein Einkommen, sondern wird durch ihren Mann finanziert. Und was ist mit einem Arbeitslosen? Er ist für die Gesellschaft genauso wichtig, denn ohne seinen Konsum würden andere arbeitslos. Sein Problem ist nur, dass er über kein Einkommen verfügt.

Seit einigen Jahren wird deshalb in Europa und weltweit wieder verstärkt über die Idee eines Grundeinkommens gesprochen. Dabei handelt es sich darum, dass jeder Einwohner eines Staates regelmäßig Geld bekommt, um davon seine Grundbedürfnisse zu befriedigen. Wer mehr Geld will, um sich mehr leisten zu können, kann zusätzlich für Geld arbeiten.

Das heißt, Menschen werden in die wirtschaftliche Freiheit entlassen. Das (moralische) Problem besteht nur darin, ob der „befreite Mensch“ auch mit seiner „neuen Freiheit“ umgehen kann.

Ich frage aber: Ist es moralisch vertretbar, Menschen durch die Wirtschaft zu Arbeiten zu zwingen, um überhaupt leben zu können? Teilweise sogar zu solchen Arbeiten, die Maschinen effizienter und besser machen können.

Freiheit ist nicht die Abwesenheit von Zwang, sondern die Einsicht in die Notwendigkeit. Die Idee eines Grundeinkommens kann deshalb nur funktionieren, wenn der Mensch lernt, mit seiner Freiheit umzugehen.

 

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