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Robert A. Wilson
(* 18. Januar 1932 in Brooklyn; † 11. Januar 2007) war ein US-amerikanischer
Schriftsteller, Bestsellerautor, Philosoph und Anarchist. In seinem Buch Die Illuminati Papiere beschrieb er 1980
die Idee der RICH-Ökonomie.
In der Einführung zu dieser Ökonomie meint Wilson, dass fieberhaft nach
Vorschlägen gesucht wird, welche ein „Heilverfahren gegen Arbeitslosigkeit“
versprechen. Dabei führt er unterschiedliche Vertreter auf, die von Jimmy
Carter, Ronald Reagan, bis zur US-amerikanischen kommunistischen Partei
reichen. Doch er stellt diese Suche in Frage, indem er Arbeitslosigkeit nicht
als Krankheit, sondern als natürliche und gesunde Folgerung einer technologisch
weit fortgeschrittenen Gesellschaft betrachtet.
Wilson benutzt dabei die Argumentation, dass der Mensch auf ein „Mehr-mit-weniger-tun“
abzielen würde, was er mit dem Wort Ephemerisierung
beschreibt, das er von Buckmister Fuller entlehnt. Buckmister Fuller (* 12.
Juli 1895 in Milton, Massachusetts, USA; † 1. Juli 1983 in Los Angeles, USA)
war ein US-amerikanischer Architekt, Konstrukteur, Designer, Philosoph und
Schriftsteller.
Die Tendenz zur Ephemerisierung („Mehr-mit-weniger-tun“)
basiere dabei auf zwei Hauptfaktoren:
- Synergieeffekt
(der Begriff wurde von Fuller maßgeblich mitgeprägt)
- Dem
Wissen liege eine stete Erweiterung inne, was soviel heißt, dass jede Erfindung
eine neue, darauf aufbauende Erfindung herausfordert.
Arbeitslosigkeit beruhe laut Wilson unmittelbar auf der technischen Möglichkeit der Ephemerisierung. Dafür führt Wilson z.B.
Aristoteles auf, der besagte, dass Sklaverei nur dann abgeschafft werden könne,
wenn Maschinen gebaut würden, die sich selbst bedienen. Arbeit durch Lohn sei
nun eine moderne Form der Sklaverei (von einigen treffend als „Lohnsklaverei“
bezeichnet), die von eben solchen Maschinen abgelöst werden würde. Norbert
Wiener, ein Mitbegründer der Kybernetik, wies schon 1947 darauf hin, dass durch
den Fortschritt in der Computertechnik eine Massenarbeitslosigkeit ausgelöst
werden würde.
Wilson meinte nun, dass der Grund, weshalb die Aussagen von Wiener noch nicht eingetroffen
seien, darauf beruhe, weil die großen Zweckverbände, Gesellschaften und Staaten
den Lauf der Kybernetik verlangsamten, weil sie Arbeitslosigkeit immer noch als
„Krankheit“ betrachten würden. Sie könnten sich kein „Heilverfahren“
vorstellen, wie sie die vollständige Kybernetik herbeiführen würde.
Dabei wird die calvinistische Arbeitsvorstellung von den meisten Menschen als Fluch,
Belastung, Ärgernis und Schranke gesehen, die zwischen dem steht, was man
wirklich tun möchte. So gesehen ist Arbeit die Krankheit und nicht die
Arbeitslosigkeit. Doch die Kritiker würden betonen, dass ohne Lohnarbeit alle
verhungern würden.
Im weiteren nennt Wilson vier Beispiele, dass es intelligente und einleuchtende Vorschläge
geben würde, die auf eine Gesellschaft mit steigender Arbeitslosigkeit
anwendbar wären:
- Clifford Hugh Douglas (* 20. Januar 1879 in Stockport; † 29. September 1952 in Fearnan, Schottland) war ein
schottischer Ingenieur, der das Wirtschaftskonzepts der nationalen Dividende
(auch Social Credit) entwickelte.
Ezra Pound und Buckmister Fuller griffen diese Idee auch auf, obwohl sie sich
von Douglas im einzelnen unterscheiden. Der Grundgedanke der Idee war, dass
jeder Bürger zum Teilhaber der Nation werde und eine Dividende auf das
Jahres-Brutto-Sozialprodukt erhalten solle.
- Der
Gedanke des garantierten Jahreseinkommens wurde von dem Ökonomen Robert Theobald vorgebracht. Dabei solle der Staat
eine Einkommensgrenze festlegen, die über der Armutsgrenze liegt und jedem
Bürger garantieren, dass niemand weniger erhält. Sinkt das Einkommen unter
diese Grenze oder hat ein Bürger kein Einkommen, gleicht der Staat diese
Differenz aus. Dieses Konzept würde weniger kosten, als das bisherige
Wohlfahrtssystem und den Wohlfahrtsempfängern die Demütigung, Erniedrigung und
Entmenschlichung ersparen, welche durch das gegebene System verursacht sei.
- Milton
Friedman, Wirtschaftsnobelpreisträger, schlug eine negative Einkommenssteuer vor, welche eine weniger radikale Variante des garantierten Jahreseinkommens sei. Die Idee würde jedem Bürger ein Minimaleinkommen ausbezahlen, das vom Staat festgelegt sei. Einkommen, die unter dem Limit liegen, würden die Differenz vom Staat erhalten. Auch dieses System würde den Staat weniger kosten, als das bisherige Wohlfahrtssystem, wobei niemand durch die Steuererklärung ersehen könne, ob die Zahlung des Staates durch Armut oder einen Lohnsteuerausgleich zustande kam.
- Die
RICH-Ökonomie stammt von Wilson selbst, wobei es sich dabei um ein
Vier-Stufen-Programm handelt, um die Gesellschaft auf die Kybernetik
vorzubereiten. RICH bedeutet dabei: Rising
Income through Cybernetic Homeostatis
(steigendes Einkommen durch kybernetisches Gleichgewicht)
Die vier Stufen im einzelnen:
- Erkenntnis, dass die Kybernetik und Arbeitslosigkeit unvermeidlich sind, wobei Arbeitslosigkeit zu fördern sei, indem jedem Arbeiter eine hohe Abfindung angeboten werden soll, wenn er eine Maschine erfindet, die seine Arbeit oder die von anderen ersetzen kann. Dies wäre ein Menschheitstraum.
- Einführung eines garantierten Jahreseinkommens oder einer negativen
Einkommenssteuer, die Stufe I fordert, aber die Arbeitslosen nicht zu den
Erniedrigungen des heutigen Wohlfahrtssystems absinken lässt.
- Allmähliche Überführung von Stufe II zum System der nationalen Dividende.
- Investition in die Erwachsenenbildung.
Stufe IV sei nötig, weil sich die „von Arbeit befreiten“ Menschen langweilen würden und
deshalb eine geistige Betätigung nötig sei, um den Menschen auf die großen
Herausforderungen und Möglichkeiten vorzubereiten, die in den kommenden
Jahrzehnten auf die Menschheit zukommen würden.
Wilson schließt damit ab, dass er
die heutige Arbeitsethik (Arbeitgeber finden, der jemanden gegen Lohn anstellt)
als veraltet ansieht. Vielmehr müsse eine Arbeitsästhetik entstehen, die das
Sklavendasein ersetzt und die „Maschine Mensch“ zu einem vollkommenen Menschen
macht. Durch die Arbeitsbefreiung sei der Mensch ein vollentwickeltes Wesen,
das seine menschlichen Möglichkeiten verwirklichen könne. Arbeit würde nicht
aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, sondern aus psychologischem Bedürfnis
heraus gesucht, um als Ventil für das kreative Potential zu dienen. Das
„kreative Potential“ sei ein angeborener Trieb, um zu spielen, herumzubasteln,
zu entdecken oder zu experimentieren, wie es bei jedem Kind zu beobachten sei,
dessen Denkprozesse noch nicht durch die autoritären Strukturen beeinflusst
sei.
Quelle: Die Illuminati
Papiere, 8. Auflage,
Sept. 2000, Rowohlt Taschenbuch Verlag, ISBN: 3-499-15191-X;
englische Version: RICH-Economy
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