|
Auf 17 A-4 Seiten zieht Götz Werner eine durchaus positive Zwischenbilanz.
"Die Idee geistert keineswegs nur in kleinen Zirkeln hoffnungsloser Idealisten oder radikaler Spinner herum, sondern sie wird tatsächlich überall diskutiert und weitergedacht. Und das inzwischen sogar viel sachlicher und zugleich fantasievoller als noch vor knapp zwei Jahren, als der Vorwurf der Fantasterei stets sehr schnell zur Hand war."
Er stellt fest, dass sich bei seinen Vorträgen die Fragestellungen der Zuhörer geändert habe, dass "zum Beispiel auffällt, dass der frühere Standardeinwand, mit einem monatlichen bedingungslosen Grundeinkommen auf dem Konto ginge ja wohl kein Mensch mehr arbeiten, zunehmend an Bedeutung verliert."
Bezüglich einer BGE-Einführung schlägt Werner vor, ein existenzsicherndes BGE als ersten Schritt Kindern und Rentnern zuzugestehen und anschließend auf alle Bürger auszuweiten.
"Es ist kein Geheimnis, dass ich ein Gegner der Einführung gesetzlicher Mindestlöhne bin. Wer glaubt, er könne am Markt vorbei dekretieren, wer wem unter welchen Bedingungen welche Löhne zu zahlen hat, der wird im Zweifelsfall den Betroffenen nicht etwa ein Einkommen garantieren, sondern die Einkommensmöglichkeiten beschneiden. Er könnte aus der Tatsache, dass jeder Mensch Brot, Milch, Kartoffeln, Schnitzel oder grüne Bohnen braucht, genauso gut den Schluss ziehen, man müsse die Preise für bestimmte Grundnahrungsmittel staatlich festlegen. Oder den Gaspreis subventionieren. Am Ende winkt immer die Planwirtschaft."
Abschließend nimmt Werner zum Zeitpunkt einer BGE-Einführung Stellung: "Nun ist zwar nach Meinung vieler die Zeit für die Idee des Grundeinkommens sehr wohl gekommen. Doch natürlich habe ich keine Ahnung, wann die Mehrheit der Gesellschaft das ebenso sieht. Allerdings: Am 9. November 1989 um 18 Uhr hatte auch kein Mensch auf der Welt damit gerechnet, dass die Mauer fällt."
Quelle: Archiv Grundeinkommen
|